Autos bieten mehr Komfort

Auto und Verkehr 1914:

Etwa drei Achtel aller im Deutschen Reich zugelassenen Kraftfahrzeuge dienen Sport- und Vergnügungszwecken. Daher bieten die Autohersteller zahlreiche dem Komfort dienende Neuerungen an. Von den 83 333 am 1. Januar zugelassenen Autos ist der Großteil entweder in Handel und Gewerbe oder auf dem privaten Sektor in Betrieb. Bei letzterem fällt insbesondere der hohe Anteil PS-starker Wagen auf: Ein knappes Drittel von ihnen verfügt über mehr als 16 PS; und davon haben wiederum rund 12% mehr als 40 PS.

Der Markt für Privatautos zeigt sich ausbaufähig und verspricht hohe Umsätze; allein in den USA gibt es rund zwei Millionen Autobesitzer. Diese Tatsache regt die Hersteller zu technischen Innovationen – auch im Detail – an. So entwickelt der britische Ingenieur Malcolm Lockheed eine gebrauchsfertige hydraulische Bremse. Die 1906 gegründeten italienischen Lancia-Werke stellen erstmals in Europa ein Auto mit serienmäßiger Elektrik vor. Im Deutschen Reich tritt das reine Nützlichkeitsdenken beim Autofahren gegenüber luxuriösem Komfort immer mehr in den Hintergrund. So werden autogerechte Koffer für Reiseutensilien entwickelt. Deutsche Autos verfügen z. T. über kleine, mit Glühbirnen beleuchtete Innenspiegel.

Vor dem Weltkrieg gilt das Auto – bei einem durchschnittlichen Anschaffungspreis im Deutschen Reich von rund 10 000 Mark – allgemein als privilegiertes Statussymbol. Kennzeichnend dafür sind die Objekte auf dem Importsalon der am 3. Januar eröffneten 14. US-amerikanischen Automobilausstellung in New York. Hersteller aus Europa wie die deutschen Firmen Benz und Mercedes oder die französischen Peugeot-Werke zeigen ausschließlich Luxusmodelle. Wie die Herstellung von Feuerzeugen in Form eines Autokühlers im Deutschen Reich zeigt, strahlt die Faszination des Autos bereits in den Alltag aus. Gleichzeitig wird das motorisierte Gefährt mit Vorliebe als repräsentative Staatskarosse benutzt. Aber auch der Bau von bescheideneren Wagen wird vorangetrieben: Die Brandenburger Firma Brennabor beispielsweise bietet mit ihrem M 3 einen 1,4-Liter-Vierzylinder mit 2100 Umdrehungen pro Minute an.

Immer größere Bedeutung erlangen die zahlreichen auf das Auto bezogenen Accessoires. Sie reichen von autogerechten, zusammenfaltbaren Schirmen bis hin zu einer autospezifischen Hutmode.

Chroniknet