Krieg unterbricht die Entwicklung neuer Formen des Bauens

Architektur 1915:

»Es geht nicht darum, formale Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Bau festzulegen, sondern darum, das neue Haus von Grund auf neu zu schaffen, es unter Ausnutzung aller Hilfsmittel der Wissenschaft und Technik zu erbauen.« So hatte der italienische Futurist Antonio Sant’Elia 1914 in seinem »Manifest der Architektur der Zukunft« gefordert.

Der Krieg unterbricht die lebhafte Suche der Architekten nach neuen Formen des Bauens aus den Vorkriegsjahren. Die italienischen Futuristen Sant’Elia und Filippo Tommaso Marinetti wenden sich der Politik zu und werben für den Kriegseintritt ihres Landes. Mit dem weitgehenden Erliegen der Bautätigkeit in den kriegführenden europäischen Staaten geht dort eine vorübergehende Stagnation der architektonischen Entwicklung einher. Die Schriften und Entwürfe Sant’Elias werden erst für spätere Architektengenerationen prägend.

Die deutsche Architektur wird besonders von dem 1907 gegründeten Deutschen Werkbund bestimmt, dessen Prinzip einer engen Zusammenarbeit von Künstlern und Industrie in der Vorkriegszeit auch in die Architektur Eingang gefunden hatte. Peter Behrens, Hermann Muthenius, Walter Gropius und Bruno Taut gehören zu den bedeutendsten Architekten im Werkbund. Sie machten Sachlichkeit und Funktionalität zum Prinzip der von ihnen entworfenen Industriebauten und verschafften der »mathematischen Schönheit der Industrieprodukte« (B. Taut) Anerkennung.

Während des ersten Kriegsjahres wird u. a. das von Peter Behrens entworfene Gebäude der Nationalen Automobilgesellschaft in Düsseldorf fertiggestellt. Außerdem wird der 1911 begonnene Bau der Fagus-Werke von Walter Gropius und Adolf Meyer in Alfeld fortgesetzt. Diese Industrieanlage aus dünnen Glaswänden und stützenfreien Ecken gilt als einer der ersten konsequent modernen Bauten.