An die See und auf die Berge

Urlaub und Freizeit 1916:

Im Jahr 1916 gilt noch stärker als vor dem Krieg: In Urlaub fährt nur, wer es sich leisten kann. In den Arbeiterfamilien ist bezahlter Urlaub ohnehin unbekannt, hier ist man auf den Sonntag und auf die Feiertage angewiesen, um zumindest kurzfristig auszuspannen; aber auch in vielen Beamtenfamilien ersetzt der Ausflug aufs Land den Urlaub in der Ferne.

Bevorzugte Urlaubsziele sind 1916 wieder die Nord- und Ostsee, die deutschen Mittelgebirge und die bayerischen Berge. In Bayern kommt es für viele Urlauber allerdings häufig zu unliebsamen Überraschungen: Vielerorts werden die Lebensmittelkarten der Besucher nicht anerkannt. Die Urlauber sind gezwungen, wieder abzureisen oder sich aus ihren Heimatorten Lebensmittel schicken zu lassen.

Die Ostseebäder verzeichnen einen großen Zulauf, in einigen Badeorten hat sich die Besucherzahl gegenüber dem Jahr 1915 sogar verdoppelt; Travemünde meldet im August 8000 Kurgäste. Hier ist auch für eine ausreichende Verpflegung der Kurgäste gesorgt, nur an Zucker besteht Mangel, die Kurgäste wurden daher gebeten, ihre Vorräte selbst mitzubringen. Die »feine Gesellschaft« bevorzugt die Kurbäder im Binnenland, wie Bad Pyrmont, Bad Nauheim, Baden-Baden oder Bad Kudowa in Schlesien, die »Riviera des Ostens«.

In Bad Neuenahr waren bereits Ende Mai 1916 mit 3200 Kurgästen doppelt so viele Besucher wie 1915 zu verzeichnen. Die Anwesenheit gekrönter Häupter – in Bad Neuenahr kurt der türkische Prinz Abdul Halim – verleiht diesen Kurorten besonderen Reiz.

Chroniknet