Bahn Verkehrsmittel Nummer eins

Verkehr 1916:

Die Eisenbahn ist im Jahr 1916 das wichtigste Verkehrsmittel. Zu Jahresbeginn umfasst das Schienennetz im Deutschen Reich 62 090 km, bis Dezember kommen noch 256 km hinzu. Gegenüber der Bahn spielt der Individualverkehr noch eine untergeordnete Rolle. Neben den acht Länderbahnen – Preußisch-Hessische Staatsbahnen sowie Bahnen in Bayern, Sachsen, Württemberg, Oldenburg und Elsass-Lothringen – gibt es nach wie vor eine Vielzahl privat betriebener Eisenbahnunternehmen.

Seit 1907 ist das Netz der Länderbahnen weitgehend vereinheitlicht. Überall gelten die gleichen Fahrpreise.

Der Weltkrieg stellt an das deutsche Bahnwesen besondere Anforderungen. Millionen von Soldaten und große Mengen an Material müssen innerhalb der Reichsgrenzen transportiert werden. Um die Front mit Nachschub zu versorgen, wurden vor allem im Osten neue Bahnlinien gebaut.

Der wachsende Materialverschleiß geht jedoch zunehmend an die Substanz, Reparaturen dauern wegen der Materialknappheit lange, neue Lokomotiven und Wagen stehen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung.

Die Zahl der Personenkraftwagen ist gering. Viele Autos wurden für militärische Zwecke requiriert. Die Benutzung der noch in Privathand verbliebenen Fahrzeuge ist stark eingeschränkt. Bei Benzinpreisen von über zwei Mark pro Liter ist das Autofahren ohnehin ein teures Vergnügen, das sich nur wenige leisten können.

Der Rohstoffmangel macht sich auch bei den Kraftfahrzeugen bemerkbar. Da es an Gummi für die Autoreifen fehlt, wird eine Eisenbereifung mit Stahlfedereinlage konstruiert.

In Deutschland gibt es 1916 knapp 100 000 Personenkraftwagen. Auf der ganzen Welt fahren rund vier Millionen Autos, davon allein 3,5 Millionen in den Vereinigten Staaten.

Hier hat die Autoproduktion insbesondere durch das seit 1908 von den Ford-Werken in Großserie gebaute Ford Modell T einen enormen Aufschwung genommen.

Chroniknet