Ersatzstoffe bestimmen den Speiseplan

Ernährung, Essen und Trinken 1916:

Rationierungen, Lebensmittelkarten und der zunehmende Anteil von Ersatzstoffen prägen 1916 das Bild der deutschen Haushalte. Wegen unzureichender Fleischversorgung sind bereits seit 1915 der Dienstag und der Freitag zu fleischlosen Tagen erklärt worden.

Nach den ersten Lebensmittelkarten für Brot und Mehl im Januar 1915 gibt es nun auch für andere Grundnahrungsmittel Bezugsscheine: Für Eier, Milch, ab Oktober 1916 auch für Fleisch. Für die meisten anderen Waren gelten staatlich festgesetzte Höchstpreise, die nicht überschritten werden dürfen.

Nach einer statistischen Erhebung stehen im Jahr 1916 im Deutschen Reich im Durchschnitt für den Normalverbraucher folgende wöchentliche Versorgungsmengen zur Verfügung: 3,5 kg Kartoffeln, 160 – 220 g Mehl oder Brot, 100 – 250 g Fleisch, 60 – 75 g Fett, 0,7 l Milch, 200 g Zucker, 270 g Marmelade oder Kunsthonig, ein Ei sowie 120 g Fisch.

Jedoch können auch diese knapp bemessenen Rationen nicht immer garantiert werden. Gleichzeitig wird die Qualität vieler Lebensmittel schlechter: Das Brot wird unter Zusatz von Kartoffelmehl gebacken, die Milch mit Wasser verdünnt.

Unter der Vielzahl von Ersatzmitteln – u. a. für Kaffee, Tee, Käse und Marmelade – sind viele, die dem Original nur im Aussehen ähneln. Zumeist haben sie keinerlei Nährwerte, manchmal sind sie sogar gesundheitsschädlich.

Die Tageszeitungen veröffentlichen immer neue Tipps zur Streckung von Lebensmitteln.

Auch altbewährte Naturprodukte finden wieder Verwendung: Zur Abrundung von Gemüse, Suppen und Soßen wird der Zusatz von Sauerampfer empfohlen, pro Person ein halbes Pfund.