Lehrermangel bringt Probleme

Bildung 1916:

Schule und Hochschule sind 1916 in Deutschland durch den Weltkrieg geprägt. An den Schulen macht sich der Lehrermangel durch häufigen Stundenausfall bemerkbar. Auch an den Universitäten und Hochschulen sind die Reihen der Lehrenden wie Studierenden gelichtet.

Von den rund 15 000 Professoren, Direktoren, Ober- und Hilfslehrern der höheren Lehranstalten in Preußen sind über 7000 eingezogen worden, die Lücken werden zum Teil durch nur unzureichend ausgebildete Hilfslehrer gefüllt. An den höheren Schulen – Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen – wird vor allem das Problem der Kriegsprimaner diskutiert: Schüler, die wegen ihrer Meldung zum Kriegsdienst ihre Reifeprüfung nicht mehr absolvieren können. Zwar sind sich Schulen und Kultusbehörden darüber einig, dass man die jungen Männer nach dem Krieg nicht wieder in die Schule schicken kann, doch wie das Reifezeugnis erworben werden soll, ist ungeklärt.

Während viele der süddeutschen Staaten das Abitur den Kriegsteilnehmern ohne besondere Prüfung verleihen und in Elsass-Lothringen im Sommer 1914 sogar kriegsfreiwilligen Unterprimanern das Reifezeugnis erteilt worden ist, sind in den meisten norddeutschen Staaten Sonderkurse vorgesehen. Ein Kompromissvorschlag kommt aus Sachsen: Schülern der Obersekunda sowie der Unter- und Oberprima, die im Felde stehen, wird die Hälfte der Schulzeit erlassen, wenn sie das Abitur nachholen. Auch an den Hochschulen gibt es Notreifeprüfungen für Kriegsteilnehmer: In Sachsen können Theologen gesonderte Examen ablegen, für Medizinstudenten Fronturlaub für das Examen.

Chroniknet