Neutrale Länder geben Impulse

Neutrale Länder geben Impulse
In Amsterdam ist 1916 nach fünfjähriger Bauzeit das Scheepvaarthuis fertig geworden. By Janericloebe (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Architektur 1916:

Durch den Krieg sind 1916 im Deutschen Reich die Bemühungen um eine Weiterentwicklung der Architektur weitgehend zum Erliegen gekommen. Gebaut wird nur, was für die Wirtschaft oder den Verkehr unbedingt notwendig ist, selbst für neue Schulbauten ist kein Geld vorhanden.

Zahlreiche deutsche Architekten sind eingezogen worden, so auch Walter Gropius, der gemeinsam mit Adolf Meyer 1911 mit den Fagus-Werken in Alfeld/Leine und 1914 mit der Musterfabrik auf der Werkbundausstellung in Köln durch die großzügige Verwendung von Glas- und Stahlbauteilen prägende Elemente in die Architektur eingebracht hat.

Anstöße zur Weiterentwicklung der Architektur kommen vor allem aus den neutralen Staaten. In seinem Geburtsort La Chaux-de-Fonds vollendet der schweizerische Architekt Le Corbusier (eigentlich Charles-Édouard Jeanneret-Gris) die Villa Schwob, eines der ersten Stahlbeton-Wohnhäuser. 1914 hatte der Architekt erstmals Pläne für industriell durchführbare Bauvorhaben entwickelt, die er als Maisons Domino bezeichnete: Serienbauten in Stahlbeton ohne tragende Wände. In Amsterdam ist 1916 nach fünfjähriger Bauzeit das Scheepvaarthuis fertig geworden. Die Architekten Melchior van der Mey, Michel de Klerk und Pieter Lodewijk Kramer konstruierten ein Stahlbetonskelett, auf das eine Backsteinfassade aufgesetzt wurde.

Dieser Rückgriff auf historische Vorbilder in der Fassadengestaltung steht im Gegensatz zur rationalen Richtung der niederländischen Architektur, die in der Villa Huis ter Heide bei Utrecht Ausdruck findet. Der 1916 fertiggestellte Wohnbau des niederländischen Architekten Robert van’t Hoff orientiert sich am Wohnhaus des Amerikaners Frank Lloyd Wright, der mit seinen Häusern im »Prärie-Stil« (niedrige, weitflächige Konstruktionen mit vorstehenden Dächern) die europäische Architektur maßgeblich beeinflusst.

Chroniknet