Überall fehlen Arbeitskräfte

Arbeit und Soziales 1916:

Die Lösung des Arbeitskräfteproblems und die Verteilung der knappen Rohstoffe zur Erhöhung der Rüstungsproduktion sind die entscheidenden Probleme der deutschen Wirtschaft im Jahr 1916.

Die Volkszählung vom 1. Dezember erbringt rund 21,8 Millionen Erwerbstätige und damit einen Rückgang um rund 6,3 Millionen gegenüber der Berufszählung 1907. Zwar werden zunehmend Frauen in der Kriegsproduktion eingesetzt, doch real ist die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte gegenüber 1907 um rund 690 000 gesunken – eine Folge der Produktionseinschränkung in zahlreichen Frauenberufen.

Vor Kriegsbeginn durften Frauen in der Zeit zwischen 20 und 6 Uhr in der Industrie nicht beschäftigt werden, die tägliche Arbeitszeit durfte werktags zehn, sonnabends acht Stunden nicht überschreiten. Bei Ausbruch des Weltkrieges sind diese Schutzbestimmungen aufgehoben worden.

Die Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen durch die zunehmende Arbeitsintensität, sinkende Reallöhne und mangelnde Lebensmittelversorgung und die wachsende politische Unzufriedenheit hat die Zahl der Streiks höher werden lassen: Gab es 1915 insgesamt 137 Streiks mit 14 000 Teilnehmern, so verzeichnet die Statistik für 1916 240 Streiks mit 129 000 Teilnehmern, darunter erstmals politische Streiks.

Chroniknet