Künstlerisch gestaltete Werbung im Dienst der Agitation

Künstlerisch gestaltete Werbung im Dienst der Agitation
Plakat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) zu den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung 1919, 94,5 x 71,5 cm. Design:Fritz Gottfried Kirchbach (1888-1942), Druck: Rotophot AG [Public domain], via Wikimedia Commons

Werbung 1919:

Das Jahr 1919 wartet mit einem neuen Element in der Werbung auf: der künstlerisch gestalteten politischen Werbung. Das Jahr 1919 ist das Geburtsjahr des politischen Plakats im deutschen Sprachraum – eine Folge der Revolution vom November 1918.

Plakat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) zu den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung 1919, 94,5 x 71,5 cm. Design:Fritz Gottfried Kirchbach (1888-1942), Druck: Rotophot AG [Public domain], via Wikimedia Commons

Plakat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) zu den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung 1919, 94,5 x 71,5 cm. Design:Fritz Gottfried Kirchbach (1888-1942), Druck: Rotophot AG [Public domain], via Wikimedia Commons

In Sowjetrussland wird das Plakat bereits seit der Oktoberrevolution von 1917 als Mittel eingesetzt, um die Volksmassen zum sozialistischen Aufbau des neuen Staats bzw. zur Abwehr der Intervention der Alliierten zu mobilisieren. Auch die Räterepublik in Ungarn bringt bedeutende politische Kampfplakate hervor.

Bisher wurde das politische Plakat im Deutschen Reich wie jedes andere Reklamebild nach rein ästhetischen Kriterien behandelt: gefällige Einteilung der Fläche, geschmackvolle Wahl der Farben. Dekorative Arbeiten solcher Art waren während des Ersten Weltkriegs die Kriegsanleiheplakate: Gut entworfene kunstgewerbliche Reißbrettarbeiten, denen jedes »überzeugende Pathos« fehlte.

Dies hat sich mit einem Schlag nach der Revolution geändert: Das politische Plakat soll Aufreizung sein, Ansporn zur Tat und will durch Lebendigkeit, Aktion, Bewegung und Geste überzeugen. Weniger der beigefügte Text dieser Werbeplakate trägt die politische Aussage, jeder Strich will leidenschaftlicher Aufruf sein.

Starke Einflüsse gehen dabei vom Expressionismus aus. Käthe Kollwitz ist eine der profiliertesten Vertreterinnen dieser politischen Werbekunst. John Heartfield entwickelt 1919 im Rahmen der Experimente, die er gemeinsam mit den radikalen Berliner Dadaisten George Grosz, Raoul Hausmann und Hannah Hoch unternimmt, die Fotomontage zum agitatorischen, satirischen Ausdrucksmittel politisch-sozialer Inhalte. Neben dieser politischen Werbung verblasst die Wirtschaftswerbung. Allerdings gehen von der Gründung des Bauhauses neue Impulse auch für die Gestaltung der wirtschaftlichen und kulturellen Werbung aus.