Erste Schiffe mit Echolot

Wissenschaft und Technik 1920:

Zahlreiche technische Neuheiten des Jahres 1920 gehen auf bereits vorhandene Entwicklungen zurück. Im Mittelpunkt stehen Bereiche wie die Funk- und Elektrotechnik, aber auch Neuerungen auf dem Verkehrssektor.

Unmittelbar auf der im Weltkrieg weiterentwickelten Funktechnik baut die zivile Phonobranche auf. Weltweit gibt es Zehntausende von Amateurfunkern. Einer von ihnen, Harry P. Davis, Vizepräsident der US-Firma Westinghouse gründet die erste Radiostation der Welt. Ebenfalls eine Folge der Elektronikentwicklung während des Weltkriegs ist eine neue Generation von Plattenspielern, die jetzt allgemein auf den Markt kommt: Mit Röhren bestückte Geräte, die sich vor allem durch guten Gleichlauf und eine dadurch wesentlich verbesserte Tonwiedergabe auszeichnen.

Einen Geschwindigkeitsrekord vermeldet die Autoindustrie: Ein Wagen der US-amerikanischen Firma Duesenberg fährt 246,4 km/h schnell. In den USA macht ein neuartiges Personenverkehrsmittel von sich reden: Die Rolltreppe. Erbaut wurde sie von der Otis Elevator Company in New York. Einen Vorläufer der Rolltreppe gab es schon 1893, als Jesse W. Reno – ebenfalls in New York – am Kai von Long Island ein Personenförderband in Betrieb nahm. Doch war dieses nichts anderes als eine bewegte schräge Ebene. Die Firma Reno wurde 1912 von Otis aufgekauft, und bereits in diesem Jahr erwarb Otis Schutzrechte auf eine Rolltreppe mit horizontalen Stufen, jedoch mit seitlichen Zu- und Abgängen.

In der Schifffahrt kommt erstmals das Echolot zum Einsatz. Nachdem im April 1912 das damals größte Passagierschiff der Welt, die 46 329 BRT große »Titanic«, mit 1503 Menschen an Bord einen Eisberg rammte und innerhalb von 2 Stunden und 40 Minuten sank, schlug der britische Physiker Lewis Fry Richardson vor, Eisberge im Dunkeln oder bei Nebel durch das Echo aufzuspüren, das sie zurückwerfen. US-amerikanische Radiotechniker entwickelten noch 1912 entsprechende Geräte. Im selben Jahr erfand auch der deutsche Physiker Alexander Behm das Echolot, das vom Schiff aus Schallwellen nach unten zum Meeresboden sendet. Aus deren Echolaufzeit lässt sich die Tiefe des Wassers unter dem Boden des Schiffes berechnen. Mit solchen Instrumenten werden jetzt die ersten Schiffe ausgestattet, um neuen Katastrophen vorzubeugen.

Eine weitere Neuheit auf elektrotechnischem Gebiet sind ölisolierte Hochspannungskabel. Sie sind eine Folge der Anlage immer größerer Kraftwerke, die von zentraler Stelle industrielle Ballungsgebiete mit Strom versorgen. Um größere Energiemengen mit möglichst geringen Verlusten zu übertragen, muss man mit möglichst hohen Spannungen arbeiten. Herkömmliche Kabel sind dem nicht mehr gewachsen – die hohen Spannungen durchschlagen ihre Papierisolation. Ab 50 000 Volt Betriebsspannung isoliert man den Leiter jetzt gegenüber der äußeren Isolierung durch einen konzentrischen Ölmantel.

Fortschritte macht auch der Tiefbau. Die vor Kurzem entwickelten Rotary-Bohrmeißel werden erstmals mit Hartmetallzähnen besetzt. Der sich sowohl drehend wie drückend vorarbeitende Bohrkopf frisst sich mit dieser Ausstattung durch jedes Gestein.

Im Deutschen Reich beginnt die Duisburger Kupferhütte in einem Wiederverwertungsverfahren damit, einen Massenabfall der chemischen Grundstoffindustrie, den Abbrand der Schwefelkiesverhüttung, aufzubereiten und daraus in großem Maßstabe Zink zu gewinnen. Die physikalische Grundlagenforschung ergibt einen ersten Hinweis auf die mögliche Freisetzung von Kernenergie. Der britische Atomphysiker Francis William Aston weist bei seinen Arbeiten über die Packungsdichte der Atomkerne nach, dass sowohl die Spaltung sehr großer wie die Fusion kleiner Atomkerne zu mittelgroßen Kernen Energie liefern müssen. Der britische Astronom Arthur Stanley Eddington vermutet daraufhin, dass die Energiefreisetzung auf der Sonne auf die Reaktion subatomarer Partikel miteinander zurückzuführen sein müsse.