Kapp-Putsch, Antisemitismus und Faschismus – rechte Bedrohungen der Demokratie

Kapp-Putsch, Antisemitismus und Faschismus – rechte Bedrohungen der Demokratie
Putschende Soldaten mit Transparent „Halt! Wer weitergeht wird erschossen“ am Wilhelmplatz vor dem abgeriegelten Regierungsviertel. Bundesarchiv, Bild 183-J0305-0600-003 / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1920:

Noch sind im Deutschen Reich die Spuren der Novemberrevolution 1918 zu frisch, noch die Auswirkungen des Weltkriegs zu offensichtlich, um 1920 als eines der »normalen« Jahre in der nur kurzen historischen Epoche der Weimarer Republik zu charakterisieren. Welchen Monat man auch betrachtet: Alle Bereiche des Lebens – von der Politik bis zum Sport – sind mehr oder weniger direkt von den Folgen des weltweiten Blutvergießens und der anschließenden politischen Umwälzungen geprägt.

Der kurz nach Jahresbeginn in Kraft tretende Versailler Vertrag und die Konferenz von Spa belegen nachdrücklich, wie sehr das Deutsche Reich unter der militärischen Niederlage in dem von ihm mitverursachten Krieg zu leiden hat. Zugleich wird das überaus geringe Interesse wichtiger gesellschaftlicher Gruppen an der jungen deutschen Demokratie deutlich. Der sog. Kapp-Putsch zeigt die bedrohliche Bereitschaft rechter Kreise, die Republik zu beseitigen. Unterstützung finden sie in Teilen der Reichswehr, vor allem aber in den z. T. illegal operierenden Freikorps und Einwohnerwehren. Daneben werden Antisemitismus und erste Aktivitäten der Nationalsozialisten sichtbar – dokumentiert u. a. im 25-Punkte-Programm der NSDAP (bis März: DAP). In Italien wird der Faschismus in der zweiten Jahreshälfte bereits zu einem bedrohlichen Machtfaktor, als die Gefolgschaft des späteren Diktators Benito Mussolini mit Terroraktionen gegen Repräsentanten und Einrichtungen der Linken beginnt.