Luftlinienverkehr erlebt Aufschwung

Verkehr 1920:

1920 zählt zu den Pionierjahren des Luftverkehrswesens. National und international wird der nach Ende des Weltkriegs begonnene Aufbau von Luftverkehrslinien fortgesetzt. Nachdem am 22. März 1919 mit Paris-Brüssel die erste internationale Flugstrecke im Linienluftverkehr eröffnet wurde und im August 1919 London-Paris folgte, fliegt die niederländische KLM (Koninklijke Luchtvaart Maatschappij) erstmals 1920 Passagiere planmäßig nach London. In den USA wird in diesem Jahr besonders der Luftpostdienst ausgebaut, beginnend mit der Strecke New York-Chicago-San Francisco.

Auch das Deutsche Reich ist an dem »Gründungsfieber« beteiligt, das vor allem den – nach heutigen Maßstäben – Kurzstrecken-Luftverkehr betrifft. Während es vor 1919 keinen planmäßigen zivilen Luftverkehr gab, befördert die 1917 gegründete Deutsche Luftreederei (DLR) von Februar 1919 bis Februar 1920 mit ihren 71 Postflugzeugen und 13 Großflugzeugen bereits rund 3000 Passagiere sowie 100 000 kg Post. U. a. wird mit der Linie Essen-Berlin am 27. November 1920 die erste überregionale Verbindung im Ruhrgebiet nach Ende des Weltkriegs angeboten. 1920 beträgt die Länge des deutschen Luftpostnetzes insgesamt 2150 km bei 324 866 zurückgelegten Flugkilometern.

Trotz dieses Booms kann der Luftverkehr noch nicht mit den anderen Verkehrsmitteln konkurrieren. Neben der Eisenbahn und dem motorisierten Straßenverkehr verzeichnet dabei im Deutschen Reich insbesondere der Schiffsverkehr neue Impulse. Durch erste Schiffsneubauten und Kooperation mit ausländischen Gesellschaften greifen die großen Reedereien wie Hapag (Hamburg) und Norddeutscher Lloyd (Bremen) wieder in den internationalen Wettbewerb ein. Zwischen 1914 und 1920 war die deutsche Tonnage durch Kriegseinwirkungen und Ablieferungsverpflichtungen von 5,0 Mio. BRT auf 0,67 Mio. BRT gesunken (Welttonnage im Jahr 1920 insgesamt: 57,3 Mio. BRT).