Reiche Damen mit Poiret-Kleidern

Mode 1920:

Im internationalen Vergleich gibt es ausreichend wohlhabende Damen, die die theatralischen Kleider von Paul Poiret, die Spitzenkaskaden von Callot Soeurs und Stilkleider von Jeanne Lanvin tragen. Poirets prachtvolle Modelle mit fernöstlichen Stickereien, blühenden Dekors, broschierten Dschungelelefanten und goldenen Lamés sind in der internationalen Gesellschaft noch lange nicht passé. Am Abend wird die reiche Dame zur Bajadere, zum Vamp und zeigt sich mit schier »unbegrenztem« Dekolleté. Die schweren Zeiten sind scheinbar spurlos an ihnen vorbeigegangen.

Als Alternative zu diesem extravaganten »L’art pour l’art-Stil« steht die unkonventionelle bequeme Mode der jungen Gabrielle Chanel. Sie bringt auch für abends stoffsparende Futteralkleider, das »Kleine Schwarze«. Für tagsüber schlägt sie bequeme Kostüme aus Jersey mit geradem, kaum wadenlangem Rock und einer hüftlangen gegürteten Jacke vor. In diesem Jahr legt Coco (wie sie von Freunden genannt wird) den Grundstein für ihr Millionengeschäft: Sie bringt ihr Parfüm »Chanel Nr. 5« heraus und hat damit auf Anhieb Erfolg, obwohl sie es in einer einfachen Vierkantflasche präsentiert, während der Stil der Zeit nur üppigste Parfümflakons kennt.