Sowjetregierung will verbreitetes Analphabetentum überwinden

Bildung 1920:

Noch während des Bürgerkriegs in Sowjetrussland beginnt die sowjetische Führung mit der Reorganisation des Bildungswesens.

In der Beseitigung des verbreiteten Analphabetentums (1914: 62% der Gesamtbevölkerung) sieht die Regierung die einzige Möglichkeit zur wirtschaftlichen Entwicklung Sowjetrusslands. Zudem ist die Schule auch ein Instrument der kommunistischen Umgestaltung des Landes. Anatoli W. Lunatscharski, Volkskommissar für Volksbildung, führt die neunklassige Einheitsschule ein, die für alle Jugendlichen zwischen acht und 17 Jahren verbindlich ist. Kinder aller Klassen sollen dieselbe Bildung erhalten. Die Schule ist als »Arbeitsschule« mit engem Kontakt zur Berufswelt organisiert.

In der Hochschulpolitik werden die Verhältnisse der Zarenzeit umgekehrt: Kinder der früher »herrschenden« Klassen bleiben zugunsten der Arbeiter- und Bauernkinder ausgeschlossen. Um letzteren die nötige Vorbildung für das Studium zu vermitteln, werden Arbeiterfakultäten (arbfak) an den Universitäten errichtet (Verordnung vom 11. 9. 1919).