Symmetrie neben Fantasieformen

Architektur 1920:

In der Architektur lassen sich Beispiele sowohl für die sachlich-nüchterne Bauweise als auch für gegenläufige Tendenzen wie expressive und ornamentale Ausdrucksformen finden. Immer mehr Einfluss gewinnt die sog. organische Architektur.

Exemplarischer Vertreter des organischen Bauens ist der US-Amerikaner Frank Lloyd Wright. Er zielt auf eine den Bedürfnissen der Menschen wie auch den Gesetzmäßigkeiten der Baustoffe entsprechende Architektur. In seinem 1916 bis 1922 errichteten Imperial Hotel Tokio wird dabei die Baumasse auf eine Hauptachse bezogen und symmetrisch unterteilt.

Ebenso wie Frank Lloyd Wright zählt auch der französisch-schweizerische Architekt und Städteplaner Le Corbusier (eigentl. Charles-Édouard Jeanneret-Gris) mit seinen funktionell strukturierten Formen zu den revolutionären Erneuerern der Architektur. Le Corbusier, der seit 1917 in Paris wirkt, gründet 1920 die Zeitschrift »L’Esprit Nouveau«. Seine architektonischen Konzepte, die immer auch einen sozialen Bezug haben, beeinflussen ab 1920 allmählich die internationale Baukunst.

Die Konstruktions- und Kompositionsgrundsätze der modernen Architektur stehen in Wechselbeziehung zur Entdeckung neuer Baumaterialien und -verfahren. Der französische Ingenieur Eugene Freyssinet gilt als wichtiger Konstrukteur im Bereich des Stahlbetonbaus (Luftschiffhallen in Orly bei Paris, 1916 – 1924).

Stärker expressiv orientiert ist dagegen der deutsche Architekt Erich Mendelsohn in seinen Frühwerken, zu denen die Hutfabrik in Luckenwalde bei Berlin (1919 – 1920), vor allem aber der sog. Einstein-Turm bei Potsdam (1920 – 1921) zählt. Noch deutlicher wird die individuelle künstlerische Gestaltung in den expressiv-malerischen Bauten des Niederländers Michel de Klerk betont (Wohnbauten Henriette Ronnerplein in Amsterdam, 1920 – 1922). Seine fantasievolle »Willkür« ist ein deutlicher Kontrast zu Wright und Le Corbusier.