Erholung in deutschen Landen am billigsten

Urlaub und Freizeit 1921:

Die zwölf Urlaubstage, die im Durchschnitt jedem Beschäftigten im Deutschen Reich zustehen, gehören kurz nach Kriegsende für viele bereits wieder zu den ersehntesten Ereignissen des Jahres.

Nicht ferne Länder steuern die Erholungssuchenden an, sondern sie nutzen das Angebot, das ihnen Hotels und Pensionen in deutschen Landen offerieren. Hoch in der Gunst stehen die Bäder an der Ostsee, die von der Metropole Berlin aus leicht zu erreichen sind. Die Zeiten ungestörter Erholung sind hier nach einem Bericht der »Düsseldorfer Zeitung« allerdings vorbei: »Ein Stranddorf nach dem anderen wird zum Seebad. Orte, von denen noch vor zehn, fünfzehn Jahren niemand abseits der Wasserkante etwas gehört hat, haben bereits einen Namen, haben Badeverwaltungen, Seehotels, Strandkörbe, >Burgenbau< und eine richtige Saison. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, was im Interesse der Volksgesundheit ja nur zu wünschen ist, dann wird es künftig am Ostseestrand eine lange Kette von Seebädern geben.« Kennzeichen der Badesaison 1921 ist der deutlich verbesserte Dampferverkehr von den Ostseestädten zu den Bädern. Die Route von Stettin durchs Haff nach Swinemünde weiter nach Heringsdorf und Saßnitz auf Rügen ist erstmals täglich zu befahren.

Großen Zuspruch besonders bei älteren Erholungssuchenden finden die Kurorte, in denen man zu niedrigen Preisen Urlaub machen kann, wie aus einem Bericht der »Vossischen Zeitung« über das hessische Bad Nauheim hervorgeht: »Das Leben in Nauheim war im allgemeinen recht billig. Schöne große Zimmer mit zwei Betten kosteten in Privatlogis die Woche 45 – 55 Mark, für Bohnenkaffee mit bester Milch werden 2,50 Mark berechnet. In den Restaurants gab es für 9, 10, 12 Mark recht gutes Mittag, in der berühmten Konditorei am Aliceplatz alles, was nur ein weibliches Naschmäulchen sich ersehnte.« Während Bad Nauheim mit Übernachtungskosten von wöchentlich rund 50 Mark zu den teuersten Kurorten zählt, reichen in Westerland oder Todtmoos im Schwarzwald 20 Mark, in Heringsdorf, Helgoland und Timmendorfer Strand 30 Mark für die gleiche Leistung aus. Vergleichsweise teuer ist dagegen die Anreise mit der Bahn. Für die Hin- und Rückfahrt 2. Klasse von Berlin an den Tegernsee müssen regulär 430 Mark gezahlt werden – bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 1100 Mark keine geringe Summe. Die Reichsbahn richtet daher Feriensonderzüge ein, bei denen nur die Hinfahrt nach dem normalen Tarif bezahlt werden muss, die Rückfahrt innerhalb von 30 Tagen von Berlin nach München kostet dann nur noch 27,50 Mark.