Ablehnung des Westens führt zum Vertrag mit der Sowjetunion

Ablehnung des Westens führt zum Vertrag mit der Sowjetunion
Reichskanzler Joseph Wirth empfängt eine sowjetischen Delegation. Das Deutsche Reich und die Russische Sowjetrepublik schließen den Vertrag von Rapallo. Bundesarchiv, Bild 183-R14433 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1922:

Diese Vorstellungen erweisen sich im Laufe des Jahres jedoch als unrealistisch. Mit dem Regierungswechsel in Frankreich im April verschärfen sich die Spannungen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich. Aristide Briand, der in Übereinstimmung mit Großbritannien seine Bereitschaft zur Berücksichtigung der deutschen Wünsche signalisierte, muss noch während der Konferenz in Genua zurücktreten und das Amt des französischen Ministerpräsidenten Raymond Poincaré überlassen, der sich Deutschland gegenüber unnachsichtig zeigt. Die Folge ist eine weitere Isolierung der deutschen Politik von den Westmächten und eine Annäherung an den Osten. Am Rande der Konferenz in Genua, in Rapallo, schließen die beiden »Außenseiter« Deutsches Reich und Sowjetrussland am 16. April einen Vertrag auf der Basis gegenseitiger Gleichberechtigung. Für den sozialistischen Staat bedeutet dies erstmalig die offizielle Anerkennung durch eine andere Regierung. Die Westmächte, insbesondere Frankreich, sehen in diesem Bündnis eine Bedrohung, was wiederum die Verhärtung der französischen Politik gegenüber dem Deutschen Reich nach sich zieht. Unnachgiebigkeit der alliierten Mächte in der Reparationsfrage sowie die Verweigerung eines Kredits an das Deutsche Reich führen zur Zahlungsunfähigkeit. Unmittelbare Folge ist das rapide Ansteigen der Inflation im August.