Eine teure Sommerfrische

Urlaub und Freizeit 1922:

»Hier in Gaschurn (Voralberg) kostete Anfang Juli die Pension für Kopf und Tag 8000 Kronen. Als wir am 24. ankamen, betrug der Preis schon 12 000 , am 2. August 17 000 Kronen. Als man dem Wirt vorhielt, daß eine solche Steigerung von einem Tag zum anderen doch rücksichtslos sei, erwiderte er, wem es nicht passe, der könne ja seine Sachen packen und mit der nächsten Post den Ort verlassen.«

(Leserbriefauszug aus der Berliner »Vossischen Zeitung« vom 16. August 1922)

Die Hotelbestellungen aus den Nachbarländern, aus Skandinavien und Amerika sind dann auch überaus zahlreich. Allein das Reisebüro Cook & Son in New York verzeichnet 300 000 Buchungen. Zu den Reisezielen gehören neben Kulturstätten vor allem die luxuriösen Kur- und Heilbäder wie z. B. Baden-Baden. In den weniger teuren Pensionen und Hotels an Ost- und Nordsee, in den Mittelgebirgen und dem Voralpengebiet erwartet man mehr einheimische Urlauber als 1921, da Auslandsreisen für die Deutschen kaum mehr erschwinglich sind. Entgegen dieser optimistischen Aussichten kommt es noch vor Beginn der Hochsaison zum Einbruch in der deutschen Touristikbranche. Die Urlauberzahlen gehen im Vergleich zum Vorjahr entscheidend zurück. Gründe für diese Tatsache gibt es mehrere:

  • Das schlechte Wetter: In fast allen Gebieten des Reiches ist es nach einem sonnigen Juni in den übrigen Sommermonaten kühl und regnerisch
  • Die Ermordung Walther Rathenaus am 24. Juni: Aus Angst vor weiteren Terroranschlägen stornieren Ausländer Reisen ins Deutsche Reich
  • Der Seemaschinistenstreik: Der Ausstand während der Saison legt den gesamten Ferienbetrieb lahm
  • Beginn der Inflation im August: Sie führt dazu, dass die Hotel- und Pensionspreise oft genug unbezahlbar werden.