Funktionalität und Kunstgewerbe

Wohnen und Design 1922:

Die Frankfurter Frühjahrsmesse bietet einen guten Überblick über die in diesem Jahr im Trend liegenden Formen und Materialien kunstgewerblicher Produkte. Deren Gestaltung ist vorwiegend bestimmt von einer klaren und übersichtlichen Linienführung. Deutlich im Rückgang begriffen sind die noch der expressionistischen Formensprache entstammenden Gestaltungselemente. Die sich herausbildende Tendenz einer rein an der Funktionalität des Gegenstandes orientierten Formgebung verweist auf den zunehmenden Einfluss des Bauhauskonzeptes. Die Suche nach einer sehr klaren konstruktivistischen Formgebung wird inspiriert von Arbeiten der Bauhauskünstler, z. B. von dem von Marcel Breuer entworfenen Armlehnstuhl aus Holz und Textil oder von Arbeiten der von László Moholy-Nagy geleiteten Metall-Werkstatt. Insgesamt bestechen die Exponate durch eine gelungene Synthese von Zweckmäßigkeit und ästhetischer Gestaltung. Als Material bei Dosen, Leuchtern u. a. alltäglichen Gebrauchsgegenständen dominiert in diesem Jahr eindeutig gehämmertes Messing; sogar bei solch profanen Gegenständen wie Kohlenkästen werden massive, gegossene Messingbeschläge angebracht.

Einen entscheidenden Anteil an der Durchsetzung dieses modischen Materials im Kunstgewerbe haben die Wiener Werkstätten.