In Italien putscht sich Mussolini an die Macht

In Italien putscht sich Mussolini an die Macht
Faschisten auf dem Weg nach Rom, 28. Oktober 1922. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1922:

Am 28. Oktober 1922 marschieren die »Schwarzhemden« in Rom ein und zwingen die bürgerliche Regierung zum Rücktritt. König Viktor Emanuel III. übergibt die Regierungsvollmacht an Benito Mussolini und markiert damit den Beginn der faschistischen Ära in Italien. Schon in den Monaten zuvor hatten die Faschisten die sozialistischen Regionen Italiens terrorisiert. Zwar wird internationale Kritik an den gewalttätigen und diktatorischen Methoden Mussolinis laut, doch zunächst scheinen die Westmächte eher beruhigt über die sich andeutende Stabilisierung der italienischen Politik zu sein, die in den letzten Jahren von sozialen Unruhen und häufigen Regierungswechseln gekennzeichnet war.

Das Interesse der Westmächte konzentriert sich zu diesem Zeitpunkt auf die Aufrechterhaltung ihres Einflusses im Mittelmeerraum, insbesondere an wichtigen strategischen Punkten wie der Durchfahrt zum Schwarzen Meer und dem Zugang zum Suezkanal. Unabhängigkeitsbewegungen in nordafrikanischen und arabischen Ländern bedeuten eine Gefahr für die Machtbereiche Großbritanniens, Frankreichs und Italiens in diesen Gebieten. Ägypten erlangt seine Souveränität und wird am 15. März zum unabhängigen Königreich erklärt. Die Briten sichern sich dabei jedoch erheblichen Einfluss auf das Land. Im Griechisch-Türkischen Krieg schlagen die türkischen Truppen unter Mustafa Kemal Pascha (Atatürk) am 9. September die Armee der Griechen und schaffen so die Voraussetzung für eine Revision des Friedensvertrags von Sèvres und die Gründung einer an europäischen Vorbildern orientierten türkischen Republik.