Mord an Außenminister Rathenau

Mord an Außenminister Rathenau
Rathenau-Gedächtnisfeier im Reichstag. Republikanische Jugend fährt an das Grab Rathenaus Juni 1923. Bundesarchiv, Bild 102-00099 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1922:

Mit den außenpolitischen Problemen einher geht eine zusehends kritischer werdende innenpolitische Entwicklung. Neben der ständig wachsenden wirtschaftlichen Not unter großen Teilen der Bevölkerung sind es vor allem die erstarkenden antidemokratischen Kräfte, welche die junge Weimarer Republik bedrohen. Zu ihnen gehören Organisationen, in denen sich ehemalige Offiziere und Freikorpsmitglieder mit monarchistischer und antisemitischer Gesinnung zusammenfinden. Sie sind verantwortlich für eine Serie von Attentaten, deren Höhepunkt die Ermordung von Außenminister Walther Rathenau am 24. Juni ist. Dieser Anschlag weckt – obwohl die Reichsregierung bereits im Juli das Republikschutzgesetz verabschiedet – im Ausland Zweifel an der Stabilität der Weimarer Republik.

Bestärkt wird die Unsicherheit durch die Auseinandersetzungen um das Republikschutzgesetz zwischen der Reichsregierung und Bayern. Die rechtsgerichtete Landesregierung in München verfährt wesentlich nachsichtiger mit den rechtsextremistischen Gruppierungen als Berlin. So ist es auch kein Zufall, dass die nationalsozialistische Bewegung unter Adolf Hitler, der sich z. T. an der faschistischen Machtergreifung in Italien orientiert, gerade hier großen Zuspruch findet.