Probleme mit der Eisenbahn

Verkehr 1922:

Das Verkehrswesen im Deutschen Reich erholt sich nur langsam von den Folgen des Weltkriegs.

Im August veröffentlichen die Zentralverbände der Wirtschaft eine Denkschrift über »die deutsche Verkehrsnot«. Darin beklagen sie, dass staatliche Eisenbahnbetriebe und die zumeist privaten Schifffahrtsunternehmen über zu geringe Kapazitäten verfügen. So kann die Reichsbahn z. B. nur etwa 80% der von Industrie und Handel benötigten Waggons zur Verfügung stellen. Auf den Wasserwegen sieht es nicht besser aus. Ein beträchtlicher Umfang des deutschen Import- und Exporthandels muss z. B. über ausländische Häfen wie Rotterdam und Antwerpen abgewickelt werden, da in deutschen Häfen Anlagen fehlen.

Über Defizite klagen die Betriebe im Bereich der Personenbeförderung. Fahrpreiserhöhungen bei den Hauptverkehrsmitteln Eisenbahn und Straßenbahn wirken sich nachteilig auf die Anzahl der Fahrgäste und damit auf die Einnahmen aus. In Mannheim unterstützt die Direktion der Badischen Anilin- und Sodafabrik 1922 die städtischen Straßenbahnen erstmals mit finanziellen Mitteln, da sie eine pünktliche Ankunft ihrer Mitarbeiter zum täglichen Arbeitsbeginn gewährleisten will.

Der Autoverkehr hat z. Z. nur in den Großstädten Bedeutung. Die Zahl der Kraftfahrzeuge nimmt allerdings zu, und so werden in Berlin z. B. die Straßenverkehrsbestimmungen modifiziert. Die darin festgelegte Höchstgeschwindigkeit beträgt für normale Personenwagen 25 km/h.