In den USA zukunftsweisende Impulse für deutsche Werbung

Werbung 1923:

Da die Massenproduktion von Verbrauchsgütern viel weiter fortgeschritten ist, spielt Werbung in den USA eine wesentlich größere Rolle als im Deutschen Reich und den übrigen europäischen Ländern. »Alles – Reklame«, so betitelt der New Yorker Korrespondent einer führenden Berliner Tageszeitung seine USA-Reportage vom 13. Juni: »Die Amerikaner lieben ja die Reklame. Sie benutzen dazu nicht nur Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Straßenplakatierung …, sondern auch durch geschickte Piloten auf den Himmel geschriebene glänzende Rauchbuchstaben und durch tüchtige Unternehmer in Kirchen und Tempeln untergebrachte Ankündigungen.

Ich habe unlängst mit einem der größten Zeitschriftenverleger gesprochen, der mir offenherzig erklärte, daß Amerikas Riesenzeitungen und Zeitschriften … in erster Linie Reklameapparate sind…«

Allmählich gewinnt jedoch auch im Deutschen Reich die Werbung an Bedeutung und Profil. Obwohl sentimentale Kitschreklametechniken weiterhin vorherrschen, sind doch im Jahr 1923 die ersten Anzeichen für die Entwicklung der modernen Reklame, die sich in den folgenden Jahren vollzieht, zu beobachten. Die Gründung der Zeitschrift »Gebrauchsgrafik« bildet den Auftakt zu dieser Entwicklung. Dadaisten wie Kurt Schwitters sowie die Bauhauskünstler László Moholy-Nagy, Herbert Baier, Max Burchartz und Joost Schmidt beginnen, Plakate neuen Stils zu entwerfen. Vom Bauhaus entwickelte Techniken und Formen der Fotocollage und Typografie kennzeichnen die sog. Neue Reklame.

Vorbildhaft für diese Werbegrafik ist der moderne Amerikanismus, in dem man die Bauhausprinzipien Rationalität und Funktionalität verwirklicht sieht.

Aufbruchstimmung herrscht auch in der Schweiz und in Österreich. Um die »Zeit der alten Bauplanken mit ihren zahl- und regellosen Schildern« zu beenden, gründet der Wiener Gemeinderat 1923 die Wiener Plakatierungs- und Anzeigengesellschaft (WIPAG).

Chroniknet