Neue Flughäfen, der erste deutsche Rundfunksender und ein Theaterskandal

Politik und Gesellschaft 1923:

Mit dem Bau neuer Flughäfen (Berlin, Danzig, Leipzig) und der Eröffnung internationaler Flugverbindungen (z. B. Berlin-London) wird 1923 ein neues Verkehrszeitalter im Deutschen Reich eingeläutet. Neben dem Flugverkehr gewinnt der Autoverkehr zunehmend an Bedeutung. Die deutschen Hersteller präsentieren auf der Automobilausstellung in Berlin Spitzenprodukte der Technik. Allgemeines Aufsehen erregt die Jungfernfahrt des US-amerikanischen Luxusliners »Leviathan« (Juli), des im Jahr 1923 größten und luxuriösesten Schiffs der Welt.

Im Oktober 1923 nimmt der erste öffentliche Rundfunksender im Deutschen Reich seinen Betrieb auf, was eine regelrechte Radioeuphorie auslöst. Im Gegensatz zum Rundfunk schafft der von drei deutschen Erfindern 1923 präsentierte Tonfilm den Durchbruch nicht, weil die neue Technik von der deutschen Filmindustrie in ihrer Bedeutung verkannt wird. Eines der wichtigsten Kino-Ereignisse des Jahres ist der Chaplin-Film »The Kid«, der im November 1923 in die deutschen Kinos kommt. Großen Beifall beim Publikum finden auch der historische Film »Fridericus Rex« mit Otto Gebühr in der Hauptrolle und Joe Mays »Tragödie der Liebe« mit Mia May, Emil Jannings und Marlene Dietrich, die hier in einer ihrer ersten Filmrollen zu sehen ist. Die Uraufführung von Bertolt Brechts Drama »Im Dickicht«, dessen Handlung nicht der logischen Kausalität folgt, provoziert einen Theaterskandal. Die Bedeutung des Bauhauses wird 1923 anlässlich seiner ersten Ausstellung im August in Weimar international gewürdigt.

Herausragende Ereignisse des Sportjahrs 1923 sind die Weltrekorde von Johnny Weissmuller und Paavo Nurmi, der Sieg Henri Pélissiers bei der Tour de France und der höchst dramatische Boxkampf zwischen Schwergewichtsweltmeister Jack Dempsey und dem Argentinier Luis Angel Firpo.