Beginn der Goldenen Zwanziger – Olympische Spiele ohne deutsche Beteiligung

Politik und Gesellschaft 1924:

Die weltweite wirtschaftliche Stabilisierung lässt gegen Ende des Jahres 1924 eine Zeitspanne beginnen, die als die »Goldenen Zwanziger« in die Geschichte eingeht. Literatur, Musik und bildende Künste erleben eine neue Blüte nach den kümmerlichen Jahren der Nachkriegszeit. Thomas Mann schließt die Arbeit an seinem Roman »Der Zauberberg« ab, in New York wird die »Rhapsody in Blue« von George Gershwin uraufgeführt, und Andre Breton verfasst in Frankreich das »Surrealistische Manifest«.

In weiten Kreisen der Bevölkerung wächst das Bedürfnis nach Unterhaltung, und mehr Menschen als je zuvor können sie sich leisten. Kinofilme wie Fritz Langs Leinwandepos »Die Nibelungen« oder »Der letzte Mann« von Friedrich Wilhelm Murnau füllen die Lichtspielhäuser. In deutschen Theatern werden Komödien wie Georg Kaisers »Kolportage« bejubelt, zu Publikumsrennern entwickeln sich große Ausstattungsrevuen.

Das sportinteressierte deutsche Publikum merkt 1924 noch nichts von einer veränderten Haltung der Weltmächte gegenüber dem Deutschen Reich. Erneut werden die Olympischen Spiele ohne deutsche Athleten ausgetragen. Wie schon 1920 in Antwerpen bleiben Sportler aus Deutschland als Vertreter des »Kriegsschuldnerlandes« ausgeschlossen. Als Ersatz für die I. Olympischen Winterspiele in Chamonix-Mont-Blanc und die VIII. Sommerspiele in Paris, die ganz im Zeichen des finnischen Läufers Paavo Nurmi stehen, finden im Deutschen Reich »nationale Olympiaden« statt.