Bessere Zeiten für Deutschland – Diplomatie entdeckt die Sowjetunion nach Lenins Tod

Politik und Gesellschaft 1924:

Auf der Londoner Konferenz im Juli und August beschließen die Alliierten mit Blick auf diese Situation eine Neuregelung der Reparationsfrage und eine 800-Millionen-Goldmark-Anleihe für das Deutsche Reich. Zudem vereinbaren die beiden Erzfeinde in Europa, Frankreich und das Deutsche Reich, eine Räumung der besetzten Industrieregion an Rhein und Ruhr für das Jahr 1925. Durch diese Übereinkunft fließt ab Mitte 1924 ausländisches Kapital ins Deutsche Reich. Es beginnt eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Auch gegenüber der Sowjetunion, die seit der Oktoberrevolution 1917 international isoliert war, ändern westliche Staaten ihre Politik. Die Angst vor der »bolschewistischen Gefahr« weicht nun der Erkenntnis, dass sich die Moskauer Revolutionsregierung so stabilisiert hat, dass nicht mehr mit ihrem baldigen Sturz zu rechnen ist, auch wenn zwischen Josef W. Stalin und Leo D. Trotzki ein erbitterter Machtkampf um die Nachfolge von Wladimir I. Lenin entbrennt, der im Januar stirbt.

Die Regierung in London, geführt von James Ramsey MacDonald, dem ersten Labour-Premier in der britischen Geschichte, nimmt zuerst diplomatische Beziehungen zur UdSSR auf, andere Staaten folgen diesem Beispiel.