Wirtschaftsaufschwung sorgt nicht für politische Stabilisierung des Deutschen Reichs

Politik und Gesellschaft 1924:

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs bleibt im Deutschen Reich die innenpolitische Lage instabil. Die demokratischen Parteien sind außerstande, klare Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten herzustellen. Zweimal muss die deutsche Bevölkerung in diesem Jahr zu den Wahlurnen gerufen werden.

Gewinner der innenpolitischen Entwicklung sind vor allem die rechtsextremen Parteien. Die unnachgiebige Haltung der Alliierten gegenüber dem Deutschen Reich seit dem Ende des Ersten Weltkriegs hatte den Rechtsparteien Munition für ihre Propagandafeldzüge geliefert: Sie agitieren gegen den »Vergewaltigungsfrieden« von Versailles und gegen die Reichsregierung, der sie vorwerfen, sie beuge sich den alliierten Forderungen ohne Gegenwehr. Mit ihrer Propaganda finden sie vor allem in den Kreisen Gehör, die sich nur unter Vorbehalt mit der Republik eingerichtet haben.

Die starke Position rechter Kreise findet ihren Niederschlag im Justizskandal des Jahres 1924. Adolf Hitler, Führer der Nationalsozialisten, der 1923 einen erfolglosen Putschversuch in Bayern unternommen hatte, findet im April vor einem Münchner Gericht milde Richter. Im Dezember wird er schon wieder aus der Haft entlassen.