Auto und Flugzeug sind Favoriten

Verkehr 1925:

Die Entwicklung des Verkehrswesens ist geprägt durch die Zunahme von Autos und Flugzeugen. Sie werden zur Konkurrenz der Bahnen, die deshalb große Anstrengungen unternehmen, um Personen- und Gütertransporte per Schiene attraktiver zu machen. Streckennetze werden, wie in Bayern, elektrifiziert, der Gleiskörper wird verbessert, und es werden u. a. schnellere Lokomotiven eingesetzt. Durch diese Maßnahmen hofft man, mit Straße und Flugzeug konkurrieren zu können. 72% der Züge fahren im Durchschnitt nur 65 km/h; mit Sommerbeginn werden allerdings zwei Schnellzüge eingesetzt: Berlin-Hamburg und Berlin-Köln mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 73 km/h.

Die Zahl der zugelassenen Autos in Deutschland steigt ständig. Zwar gibt es in Deutschland lange nicht so viele Kraftfahrzeuge wie in den USA, wo teilweise schon jeder dritte Einwohner einen Wagen besitzt, doch zählte man an der Berliner Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße in der Minute immerhin 123 Autos in eine Richtung fahrend. Die Straßen, zumeist noch für die Belastungen durch Pferdefuhrwerke ausgerichtet, genügen den Anforderungen nicht mehr, deshalb müssen neue gebaut, andere begradigt oder verstärkt werden.

Auch der Flugverkehr breitet sich immer mehr aus. Die Einsatzzahlen von Junkers-Flugzeugen mögen als Beispiel dienen. Kamen 1923 im Linienverkehr 60 Maschinen zum Einsatz, die auf 1 266 769 Streckenkilometern 26 509 Personen beförderten, waren es ein Jahr darauf schon 78 Maschinen mit 40 298 Fahrgästen auf 1 875 371 km. Die Zahl der Passagiere wird nicht nur durch das neue Junkers-Großflugzeug, das zehn Passagieren Platz bietet, ansteigen. Auch die nunmehr gegebene Möglichkeit von Nachtflügen und eine Ausweitung des Flugplans auf die Wintermonate wird für eine immer größere Verbreitung des Passagierflugverkehrs sorgen. Aus diesem Grund wird eine bessere Koordination und auch eine Reorganisation der Fluggesellschaften notwendig .