Deutsche fürchten Konkurrenz aus USA

Auto und Verkehr 1925:

Als Wilhelm Opel die Deutsche Automobilausstellung (26. 11. – 6. 12.) in Berlin eröffnet, vergisst er nicht, über die unliebsame Konkurrenz ausländischer Hersteller zu klagen. Immerhin gaben die Deutschen im vorausgegangenen Jahr etwa 100 Millionen Goldmark für importierte Kraftfahrzeuge aus, und so fordert ein großes Transparent über dem Eingang in den Hallen am Kaiserdamm auf: »Deutsche kauft deutsche Wagen.«

Ausländische Aussteller sind erst gar nicht zugelassen, sie veranstalten nur wenige Kilometer entfernt im Berliner Lunapark zu gleicher Zeit eine eigene Autoschau. Neben den Franzosen, Italienern und Belgiern ziehen hier vor allem amerikanische Wagen das Publikum an. Sie zeichnen sich oft durch mehr Bequemlichkeit, höhere PS-Zahlen und größere Wartungsfreundlichkeit aus. Im Detail allerdings sind sie den deutschen Fabrikaten unterlegen, da der Großteil der US-Wagen in Massenproduktion hergestellt wird. Die im Deutschen Reich noch kaum eingeführte Fließbandfertigung ist in den USA die Regel, was sich teilweise auch im niedrigeren Preisniveau ausdrückt. Schätzungen besagen, dass in den USA jeder Sechste ein Auto fährt, in Deutschland ist es nicht einmal jeder Hundertste. Die meisten Autobesitzer gibt es in Berlin, hier sind insgesamt 18 576 Pkw gemeldet, in ganz Bayern hingegen nur 16 104 . Dem Bedarf entsprechend bemüht sich die Industrie deshalb vorrangig im Bereich der Stadt- und Tourenwagen um Verbesserungen.

Zwar gibt es keine neuen Typen, jedoch technische Veränderungen, wie die Vierradbremse und den Ballonreifen. Die Brems- und Gashebel befinden sich meist schon im Innern des Wagens. Da sich die Berechnung der Autosteuer in Deutschland nach den PS-Zahlen richtet, versucht die Industrie, eine Erhöhung der Motorleistung nicht durch mehr PS zu erreichen, sondern durch mehr Hubraum. So werden viele Modelle auch mit drei oder vier Zylindern angeboten. Allgemein wird die Rechtssteuerung beibehalten.