Ende der Ruhrbesatzung und Locarnopakt: Hoffnung für das darniederliegende Land

Politik und Gesellschaft 1925:

Mit dem Inkrafttreten des Dawes-Plans aus dem Jahr 1924 wurde Deutschlands dringendste Forderung seit dem Abschluss des Versailler Vertrags erfüllt: eine ökonomisch vertretbare Regelung der Reparationszahlungen. Ausländische Gelder fließen nun in die deutsche Wirtschaft. Die Industrie kann modernisieren, rationalisieren und wieder als ernstzunehmender Konkurrent auf dem internationalen Markt auftreten. Die so ermöglichte ökonomische Stabilisierung bringt Beruhigung in die politische Landschaft. Radikalisierungstendenzen rechter und linker Gruppen zu Beginn des Vorjahres weichen einer Stärkung der Parteien der Mitte. Zwar beteiligen sich erstmals seit Bestehen der Weimarer Republik die Völkischen an der Regierung, doch können ihre Minister trotz intensiver Bemühungen – gemeinsam mit den Deutschnationalen – die Unterzeichnung des Locarnopakts Ende des Jahres nicht verhindern. Mit diesem Vertrag verbinden sich die Hoffnungen auf einen dauerhaften Frieden in Europa. Die Einigung über die Grenzen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich, der Abzug der alliierten Besatzungstruppen aus den Rheinlandzonen und dem Ruhrgebiet könnten die Voraussetzung für ein Ende des Völkerhasses in Europa sein.