Forschung für die Industrie

Wissenschaft und Technik 1925:

Das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse in eine praktische Nutzbarmachung umzusetzen, wird in den 20er Jahren immer wichtiger. In immer größerem Umfang beteiligt sich die Industrie an der Finanzierung wissenschaftlicher Forschung. Einerseits durch ihre Teilnahme an Stiftungen oder Organisationen, wie die nach dem Ersten Weltkrieg gegründete »Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft«, andererseits durch den Ausbau eigener Labors und Versuchsstätten. War um die Jahrhundertwende das Hauptziel der Forschung noch wissenschaftliche Erkenntnis, ist es nun immer mehr die Verwertung in Technik und Industrie. So sehen die meisten Studenten der Physik und Chemie ihre künftige Wirkungsstätte nicht an Schulen oder an wissenschaftlichen Instituten, sondern in den Betrieben v. a. der Großindustrie.

Absatzmöglichkeiten sollen durch neue Produkte erschlossen werden, notwendige Produktionssteigerungen erfordern Rationalisierungsmaßnahmen und neue Techniken. Im Zuge der Rationalisierung haben die Unternehmen ein besonderes Augenmerk auf die Typisierung von Produkten. Einen weiteren Schwerpunkt legen sie auf rationelle Technologien, woraus sich ein neues Arbeitsgebiet für Hochschulabsolventen ergibt: die wissenschaftliche Erfassung der Wirtschaftlichkeit des Produktionsverlaufs.

Von großer Bedeutung für die Industrie ist die Energiegewinnung. Kraftwerke entstehen, u. a. errichtet die AEG in Berlin das spätere Kraftwerk Klingenberg mit einer Leistung von 240 000 kW; fertiggestellt wird das Walchensee-Kraftwerk mit einer Leistung von 122 000 kW.

Noch ein zweiter Energieträger beginnt sich durchzusetzen: die Druckluft. Mobile Kompressoren kommen ebenso auf den Markt, wie eine Vielfalt verschiedener Druckluftwerkzeuge.

Von großer Faszination für die Öffentlichkeit sind die ersten Versuche, Fernsehbilder zu übertragen. In Großbritannien gelingt am 25. Oktober John Baird erstmals die öffentliche Vorführung einer Kabelfernsehstrecke mit elektromechanischer Bildabtastung und -wiedergabe. Der russische Fernsehpionier Wladimir Kosma Zworykin erhält ein US-Patent auf die von ihm entwickelten Farbfernseh-Bildröhren. Und der Deutsche Max Dieckmann entwickelt schließlich einen elektronischen Bildfeldzerleger und überträgt mit diesem und einer Braun’schen Röhre elektronische Bilder über mehrere Kilometer.

Zwei Marksteine hat schließlich die Physik zu verzeichnen. Werner Karl Heisenberg entwickelt seine Quantenmechanik, und der Physiker Balthazar van der Pol entdeckt bei umfangreichen Forschungen mit Radiowellen die Existenz der Ionosphäre.