Große Ferien in der Sommerfrische

Urlaub und Freizeit 1925:

Mit dem Wachsen der Großstädte, der steigenden Zahl der Fabrikarbeiter und der damit verbundenen schlechten Wohnsituation gewinnt die Freizeit im »Grünen« immer mehr an Bedeutung. Da sich viele eine Urlaubsreise nicht leisten können, verzeichnen die zahlreichen Wander- und Sportvereine einen regen Zulauf. Am Wochenende und im Urlaub zieht man gemeinsam mit den Vereinskameraden an die Seen und in die Wälder, um sich an frischer Luft von der Arbeit zu erholen. Familien der unteren Einkommensklassen finden Entspannung auch in ihrem »Schrebergarten«. Auf Brachflächen der Städte entstehen während der 20er Jahre sehr viele Kleingartenanlagen. Für einen relativ geringen Pachtbetrag genießen hier Eltern mit ihren Kindern ein Stückchen Natur als Ausgleich für ihre meist beengten Wohnungen.

Reisen ins europäische oder gar außereuropäische Ausland können sich nur wenige leisten. So kostet eine Schiffsreise nach Indien 3600 RM und nach Spanien, Portugal und Marokko mindestens 1400 RM. Das Gros der mittelständischen deutschen Familien macht sich während der Ferien dann auch auf in die Sommerfrische. In kleineren Pensionen heimatlicher Urlaubsorte mieten sie sich für einen Zimmerpreis von etwa vier bis acht Reichsmark ein. Einige Reisebüros bieten in diesem Jahr auch schon »volkstümliche« Pauschalreisen an. Für 420 RM kann man z. B. zwölf Tage an die oberitalienischen Seen inkl. Venedig fahren oder für 230 RM 14 Tage in das Berner Oberland. Insgesamt verzeichnen die Fremdenverkehrsämter 1925 eine größere Reisefreudigkeit gegenüber 1924. So ist das bekannte, nur drei Bahnstunden von Berlin entfernte Ostseebad Heringsdorf total überfüllt. Allein im Monat August machen hier über 9000 Personen Ferien – das sind 1500 mehr als im gleichen Monat des Vorjahres.

Zum Urlaubsort gelangt man normalerweise mit dem Zug, selten mit dem Auto – ganz im Gegensatz zu den USA. Die dort in Mode gekommenen Camps sind oft nur mit Auto oder Bus zu erreichen.