Reichspräsident Hindenburg – Wiederzulassung der NSDAP

Politik und Gesellschaft 1925:

Der Weimarer Republik ist eine Atempause vergönnt: Inflation und Not sind weitgehend überwunden, die Wirtschaft hat sich stabilisiert, und in den Beziehungen zu den ehemaligen Kriegsgegnern des wilhelminischen Reichs setzen sich die Kräfte der Vernunft durch. Wenige ahnen, dass diese zwölf Monate in der Mitte des Jahrzehnts der »Goldenen Zwanziger« gleichzeitig eine Wende zu einer politischen Entwicklung einleiten, die den Boden für die nationalsozialistische Machtergreifung nur wenige Jahre später bereitet.

Die Zwiespältigkeit dieser von Hoffnung erfüllten Phase wird bereits im Frühjahr deutlich. Nach dem Tod des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert wählt die Mehrheit der Deutschen den einstigen Generalfeldmarschall des Kaisers, Paul von Hindenburg, zum neuen Oberhaupt der Republik – ein Ereignis, das Erschütterung bei den Demokraten im In- und Ausland auslöst. Zeigt dieses Ergebnis doch, wie viele Menschen noch dem alten System und seinen nationalistischen Bestrebungen verhaftet sind. Den Einfluss reaktionärer Kräfte innerhalb des Beamtenapparates der Weimarer Republik beweist auch die Wiederzulassung der Nationalsozialisten. Bereits im Februar, nicht einmal eineinhalb Jahre nach dem missglückten Münchener Putsch, kann Adolf Hitler die NSDAP neu gründen und wenige Monate später seine programmatische Schrift »Mein Kampf« veröffentlichen. Dass seine agitatorischen Auftritte von der Öffentlichkeit kaum beachtet werden, hat seine Ursachen in dem relativen Wohlstand größerer Bevölkerungskreise als Folge einer aufstrebenden Wirtschaft.