Revuen, Modetänze und der Jazz der Goldenen Zwanziger

Politik und Gesellschaft 1925:

Der Aufschwung im wirtschaftlichen und politischen Bereich spiegelt sich auch in einer breiten Kulturentfaltung wider. Einflüsse einer rasant voranschreitenden Technik sind in allen Bereichen der Kunst sichtbar, in Musik, Literatur, Theater, Malerei und Design. Der zum Symbol dieser Jahre gewordene Begriff der »Goldenen Zwanziger« geht vor allem auf die Unterhaltungsindustrie zurück, auf ihren Flitter und grellen Schein. Aufwendige Revuen, ekstatische Tänze wie Charleston, Shimmy, Black Bottom und die aus Amerika importierte Jazzmusik bestimmen das Nachtleben der Großstädte. Die neue Kunst will nicht mehr das Pathos des Expressionismus, sondern die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Sichtbar wird dies in den erstmals in Mannheim ausgestellten Bildern der »Neuen Sachlichkeit« und im Programm des »Bauhauses«. Nach dem Weggang aus Weimar und der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs in Dessau formuliert das »Bauhaus« als Ziel eine funktionelle Gestaltung der Umwelt des Menschen, ein Zusammenführen von Kunst und Technik. Neu ist auch der Einsatz des modernen Mediums Film auf der traditionellen Bühne des Theaters. Für die monumentale Aufführung der proletarischen Revue »Trotz alledem« anlässlich des 10. Parteitages der KPD in Berlin verwendet Erwin Piscator erstmals Filmausschnitte und Fotoprojektionen. Die Einbeziehung der Ebene des Unbewussten in die Kunst dokumentiert die Ausstellung der Surrealisten in Paris. Erstmals zeigen hier die Künstler gemeinsam ihre Werke, die u. a. von der Psychoanalyse Sigmund Freuds sehr stark beeinflusst wurden.

Internationale Aufmerksamkeit ganz anderer Art erregt eine weitere, im April in der französischen Hauptstadt veranstaltete Ausstellung, die »Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes«. Ästhetisch durchgestaltete und aus edlen Materialien gefertigte Inneneinrichtungen, Stoffe, Mode und kunstgewerbliche Ensembles zeigen weniger eine zwiespältige zerrissene Realität, sondern die Schönheit einer künstlichen Welt.