Funktionales Wohndesign

Wohnen und Design 1926:

Eine zweckmäßige Einrichtung, eine funktionale Bauweise und ein nüchtern-sachlicher Stil kennzeichnen die moderne Wohnkultur des Jahres 1926. Sowohl bei den Möbeln als auch bei den Häuserfassaden wird auf Repräsentativität verzichtet, Verzierung und Dekor, Pomp und Plüsch stoßen auf Ablehnung. Der von den Architekten und Zeitschriften propagierte neue Stil, bei dem Funktionalität die Ästhetik prägt, sagt jedoch zum überwiegenden Teil nur der jungen Generation des Bürgertums zu.

Die zweckgerichtete Innen- und Außenarchitektur entspricht den Prinzipien der Neuen Sachlichkeit, der vorherrschenden Kunstrichtung, aber auch den Erfordernissen des Wohnungsmarkts. Bereits seit der Zeit vor dem Weltkrieg besteht im Deutschen Reich Mangel an Wohnungen. Die wirtschaftliche Krisensituation führt dazu, dass die meisten Menschen keine hohe Miete zahlen können. 1926 beginnt in vielen Gemeinden ein großzügiges Wohnungsbauprogramm mit Siedlungsbauten an der Peripherie der Städte; allein in diesem Jahr werden 200 000 neue Wohnungen gebaut. Die Architekten – u. a. Ludwig Mies van der Rohe, Bruno Taut, Ernst May – entwickeln wirtschaftliche Bautechniken, damit die Miete niedrig bleibt.

Die zweckbestimmte Möblierung weist ein schlichtes Design und solide Materialien auf. Wegweisend wirkt die 1926 von Grete Schütte-Lihotzky entworfene sog. Frankfurter Küche mit ihrer raum- und zeitsparenden Einrichtung. Einbauschränke, Klappbetten und doppelstöckige Kinderbetten schaffen Raum in den Zimmern; Anbaumöbel und Stahlrohrstühle vollenden das moderne Design.

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