Portugal wird Militärdiktatur, Großbritannien entlässt seine Dominions ins Commonwealth

Politik und Gesellschaft 1926:

Die Belastungen der Nachkriegszeit führen auch in einem anderen Land Südeuropas zur Errichtung eines autoritären Regimes: Der Staatsstreich in Portugal beendet 1926 die Geschichte der 1910 errichteten Republik, deren Verfassung umgehend aufgehoben wird. Besonders ein Name verbindet sich mit dem Militärregime, das von nun an fast ein halbes Jahrhundert lang die Geschicke des Landes bestimmt: António Salazar, zunächst Finanzminister (1928), später langjähriger Ministerpräsident (1932-68). Der Sturz der portugiesischen Militärdiktatur kommt vor allem im Zusammenhang mit dem Krieg Portugals um seine afrikanischen Kolonien zustande – die erste europäische Kolonialmacht ist 1974 auch die letzte, die ihre Machtpositionen in Übersee aufgibt.

Einen ganz anderen Weg im Umgang mit seinen Kolonien geht Großbritannien, das 1926 an die Stelle des britischen »Empire« das »Commonwealth of Nations« setzt, das den Dominions (1926 u.a. Irland, Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland) den Status faktisch autonomer Staaten unter der außenpolitischen Hauptverantwortung Englands gibt. Zunächst bezieht sich diese Lockerung des Kolonialismus nur auf die weißen Siedlungskolonien, in der Phase der Dekolonisation nach dem Zweiten Weltkrieg werden auch die übrigen Kronkolonien, z. B. in Afrika und Indien, in den Commonwealth einbezogen, dessen Bedeutung dann zunehmend repräsentativer Natur ist.

Verfolgt England in den Beziehungen zu den Teilen seines Weltreichs einen Weg der Anpassung an gewandelte Verhältnisse, eskalieren 1926 im Inneren die sozialen Spannungen: Der Generalstreik, der im Mai über eine Woche lang das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen bringt und der Streik der Bergarbeiter, der bis zum November weitergeht, werfen ein grelles Licht auf die angeschlagene britische Wirtschaft, der es nach dem Ersten Weltkrieg nicht gelingt, ihre Position einer führenden Industrienation wieder einzunehmen.