Reklame als Massenkunst

Werbung 1926:

Der Zeitgeist der Goldenen Zwanzigerjahre findet sich u. a. in der Gestaltung von Reklameplakaten und Werbegrafiken wieder. Seit der Währungsreform Ende 1923 hat die Produktwerbung im Deutschen Reich einen großen Aufschwung genommen. Namhafte Künstler stellen sich in ihren Dienst und entwerfen Gebrauchsgrafiken und Anzeigen.

Für die beteiligten Künstler geht es dabei weniger um die Förderung einer bestimmten Marke, sondern vielmehr um die Umsetzung neuer Trends und Entwicklungen – Technikbegeisterung, Funktionalismus, Sportlichkeit und Lässigkeit. So heißt es in der Zeitschrift »Das Kunstblatt« in einer Rückschau, die Werbekunst sei »wahrhaft sozial, kollektiv, wahrhafte Massenkunst: die einzigste, die es heute noch gibt. Sie schafft dem namenlosen Kollektivum der Öffentlichkeit seine optischen Gewohnheiten. Von den Plakatsäulen her hämmert sich – direkt gar nicht immer beachtet – allmählich eine künstlerische Haltung der Massenseele ein …«

In der Reklamekunst finden sich die modernen Kunststile in ihrer ganzen Vielfalt wieder:

  • Art Déco: Dieser eher ornamentale Stil, der durch eine Vorliebe für spitze Formen und manierierte Figuren bestimmt ist, wird in der Werbung für Kosmetika und Hygieneartikel bevorzugt.
  • Konstruktivismus: Geometrische und stereometrische Formen, für diese Stilrichtung typisch, finden sich u. a. bei den Werbegraphiken von Kurt Schwitters und El Lissitzky, u. a. für die Keksfabrik Bahlsen und die Pelikanwerke in Hannover.
  • Photomontage: Meister dieser Technik ist John Heartfield, der außer politischen Plakaten vor allem Buchumschläge entwirft.

Lediglich der Expressionismus, der durch starkes Pathos gekennzeichnet ist, kann sich in der Werbung kaum durchsetzen.

Chroniknet