Flugzeuge machen die Welt kleiner

Verkehr 1928:

Das modernste, schnellste und teuerste Verkehrsmittel, das Flugzeug, setzt sich immer mehr durch. Die täglichen Starts und Landungen sind auf dem Berliner Flughafen Tempelhof gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50% gestiegen. Erstmals werden – mit der Ausnahme von Warschau und Rom – alle europäischen Hauptstädte von Berlin aus angeflogen; die Lufthansa richtet eine zweite Nachtfluglinie ein und fliegt die Strecke nach Paris probeweise auch sonntags, dem bisherigen Flugruhetag.

Entsprechend den gewachsenen Anforderungen wird der Flughafen Tempelhof ausgebaut. Er erhält eine Betonbahn rund um den Start- und Landeplatz, auf der die Flugzeuge zum Start und in die Hallen rollen können. Um die Sicherheit beim Nachtflug zu gewährleisten, bekommen alle höheren Gebäude im Umkreis des Flughafens eine besondere Beleuchtung. Für die Passagiere wird eine Wartehalle gebaut.

Auch im Internationalen Langstreckenflug sind große Fortschritte zu verzeichnen. Die Aufnahme des Flugverkehrs von Kairo nach Kapstadt wird durch die Anlage von Benzindepots, Landmarken, Landungsplätzen und Leuchtfeuern vorbereitet, ebenso eine Linie von Kairo über Bagdad und Kalkutta nach Singapur und Melbourne.

Hohe Zuwachsraten verzeichnet die Automobilindustrie: Waren im Vorjahr 267 774 Pkw im Deutschen Reich zugelassen, so sind es 1928 bereits 351 380 . Der Straßenzustand ist der Zunahme des Autoverkehrs nicht angemessen; während in Paris, London und Wien geteerte Asphaltstraßen schon selbstverständlich sind, herrscht in Berlin noch der Stampfasphalt vor, auf dem die Autos bei Nässe rutschen und lange Bremswege haben.

Im Eisenbahnbau verdrängen die Waggons aus Stahl und Eisen, die bei Unfällen infolge ihrer Widerstandsfähigkeit mehr Sicherheit bieten, allmählich die gebräuchlichen Holzwagen.