Konzentration in der Autoindustrie

Auto und Verkehr 1928:

Die Situation auf dem internationalen Automobilmarkt ist durch einen anhaltenden Konzentrationsprozess gekennzeichnet, hervorgerufen durch die allmähliche Sättigung des Marktes in den USA, dem größten Automobilland der Welt. Dort verfügt jeder fünfte Einwohner über ein eigenes Kraftfahrzeug.

Im Deutschen Reich, dessen Automobilproduktion in den Jahren nach dem Weltkrieg durch eine große Vielfalt gekennzeichnet war, hat sich die Zahl der Unternehmen von Ende 1924 bis Ende 1927 von 86 auf 19, die Zahl der angebotenen Typen von 146 auf 40 verringert. Dieser Trend setzt sich auch 1928 fort: Am 7. November steigt der italienische Fiat-Konzern als Großaktionär bei der angeschlagenen Neckarsulmer Fahrzeugwerke AG (NSU) ein, und am 3. November kaufen die Bayerischen Motorenwerke (BMW) für zehn Millionen Reichsmark die hoch verschuldeten, aber gut ausgestatteten Dixi-Werke in Eisenach, die sich auf Kleinwagen spezialisiert haben. Der Kampf der US-amerikanischen Automobilgiganten um den europäischen Markt wird mit großer Härte geführt. Die Ford-Werke, die durch die Umstellung von ihrem traditionsreichen Modell T (»Tin Lizzy«) auf ein schnelleres und komfortableres Fahrzeug, die 1927 vollzogen wurde, in den USA Marktanteile verloren haben, starten zu Jahresbeginn 1928 eine großangelegte Anzeigenkampagne im Deutschen Reich. Am 23. Januar wird das neue Vierzylindermodell in einer 2-Liter-Version (85 km/h Spitze) und auch einer 3,28-Liter-Version (100 km/h Spitze) erstmals auf dem deutschen Markt angeboten. Im November folgt die Gründung der Europäischen Ford AG. In Großbritannien und Irland will das Unternehmen 200 000 Automobile jährlich für Käufer in Europa produzieren. Gerüchte, dass auch der Ford-Konkurrent General Motors ein Engagement in Europa beabsichtigt, werden zunächst noch dementiert. Es ist von einer Beteiligung bei Fiat, Citroën oder Opel die Rede.