Luxusreisen, Kinderkolonien und verbilligte Urlaubssonderzüge

Urlaub und Freizeit 1928:

Regelmäßige Urlaubsreisen sind immer noch ein Privileg für die kleine Schicht der Reichen, jedoch nehmen Angebote zu, die es auch den weniger Begüterten ermöglichen, sich im Sommer zu erholen.

Die Deutsche Reichsbahn bietet Fahrten mit Feriensonderzügen an, die gegenüber dem normalen Tarif um ein Drittel ermäßigt sind. Eine Fahrkarte von Berlin nach Garmisch-Partenkirchen kostet z. B. 52,90 Reichsmark (RM), eine Karte nach Swinemünde 14,90 RM. Allerdings können die Sonderzüge nur einen begrenzten Kreis der Interessierten aufnehmen.

Für Kinder, deren Eltern keinen Erholungsaufenthalt bezahlen können, gibt es durch Spenden finanzierte Ferienkolonien an der See und auf dem Land.

Sozialisten organisieren nach dem Erfolg ihrer ersten Kinderrepublik im Jahr 1927 in Seekamp bei Kiel wieder Zeltlager für Arbeiterkinder. 1928 verteilen sich 5000 elf- bis 14-jährige Kinder auf sieben Kinderrepubliken, die neben Freizeitgestaltung auch Einübung in Demokratie und Selbstverwaltung bieten. Die Kosten für einen vierwöchigen Aufenthalt belaufen sich auf 35 RM.

Wachsender Beliebtheit erfreuen sich Gesellschaftsreisen in kleineren Gruppen (10 bis 35 Teilnehmer), bei denen sich die Reisenden nicht um Hotels und Zugverbindungen zu kümmern brauchen, von sachkundigen Reiseleitern Führungen zu den Sehenswürdigkeiten erhalten, aber auch genügend Zeit zur freien Verfügung haben. Das Ullstein-Reisebüro bietet z. B. eine elftägige Fahrt für Pauschalreisende in die Schweiz für 356 RM an.

Die Urlaubsangebote der gehobenen Preisklassen werben mit Komfort und Luxus. So führt beispielsweise ein Dampfer, der eine Nordatlantikfahrt unternimmt, ein Flugzeug mit, das während der Reise zu zahlreichen Rundflügen startet.

Zum neuen Treffpunkt der Prominenz im Sommer avancieren die Badeorte Antibes, Juan-les-Pins, St. Maxime und St. Tropez an der Côte d’Azur, die bislang vor allem Reiseziel der Schickeria in den Wintermonaten war.