Archäologische Forschung mit Luftfotografie

Wissenschaft und Technik 1929:

Die wissenschaftliche Fotografie aus der Luft ist ein wichtiges Hilfsmittel u. a. für die Archäologie geworden, da sie Strukturen, die vom Boden aus kaum zu erkennen sind, sichtbar machen kann.

Die französische Zeitschrift »L’Illustration« berichtet ihren Lesern von einer Reihe von Expeditionen, die der Amateurwissenschaftler Pater Poidebard seit 1925 in das französische Mandatsgebiet Syrien unternommen hat. Mit Unterstützung der französischen Armee, die ihre Militärflugzeuge für die Aufnahmen aus der Luft zur Verfügung stellte, machte Pater Poidebard eine Reihe interessanter archäologischer Entdeckungen.

Zwischen Euphrat und Tigris sind nahezu alle baulichen Reste der antiken assyrischen und römischen Kultur verschwunden: Erosion und die Invasionen der Perser und Araber, schließlich der Wüstenwind, der alles mit Sand bedeckte, haben dazu geführt, dass Ruinen ohne wissenschaftliche Hilfsmittel nicht sichtbar sind.

Mit Hilfe der Luftfotografie gelang es Pater Poidebard, u. a. den Beginn der »Via Diocletiana«, einer römischen Straße, die in die Oasenstadt Palmyra (später: Colonia) in Zentralsyrien führte, im Vulkangebiet östlich vom heutigen Damaskus zu entdecken. Die Anlage der byzantinischen Stadt Thannourin konnte rekonstruiert werden, und Pater Poidebard fotografierte außerdem ein 120 km langes Stück der römisch-byzantinischen Grenze zwischen Thannourin und Dara mit allen Verteidigungsanlagen. Die Methode der Luftfotografie zu archäologischen Zwecken ist bereits im Jahr 1916 von einer Gruppe französischer Wissenschaftler bei Saloniki in Griechenland angewandt worden, die sich auf der Suche nach Spuren der Ureinwohner von Makedonien befanden.