Funktionalität im Design weiterhin en vogue

Wohnen und Design 1929:

Neben der Richtung des Art Déco, das von Frankreich aus allmählich Einfluss auch im Deutschen Reich gewinnt, bestimmt die kühl-sachliche, funktionale Linie der Hochschule für Gestaltung in Dessau (Bauhaus) weiterhin das moderne Wohndesign.

Die Wohnung soll nicht länger die individuelle Handschrift des Innenarchitekten tragen, aber auch nicht mehr Ausdruck des persönlichen Geschmacks der Bewohner sein. Der Abschied von den überladenen, schweren und plüschigen Einrichtungsgegenständen, die in ihrer Gestaltung noch aus der Kaiserzeit überlebt haben, zugunsten einer leichten, hellen, sparsamen und praktischen Möblierung soll – so die Vorstellung der Architekten – auch den Geist der Bewohner klar und beweglich machen.

Einfache Formen und klare Farben (dabei viel Weiß und Schwarz) bestimmen die gesamte Inneneinrichtung von den Möbeln über Lampen, Gardinen und Tapeten bis zu den Teppichen, aber auch bis zu Gebrauchsgegenständen wie Essservice, Bestecken und sogar Schreibgarnituren.

Zu den herausragenden Bauhauskünstlern im Bereich des Wohndesigns gehört der gebürtige Ungar Marcel Breuer, der 1920 bis 1924 Student an der Hochschule für Gestaltung und von 1925 bis 1928 Leiter der Bauhaus-Kunsttischlerei war. Er ist vor allem durch seine Stahlrohrmöbel bekannt geworden. Ferner ist Marianne Brandt zu nennen, die 1923 das Studium am Bauhaus aufgenommen hat und seit 1924 durch Glas- und Metalllampen, entworfen in Zusammenarbeit mit der Leipziger Firma Körting & Matthiessen, hervorgetreten ist. Die junge Designerin ist u. a. für die Innenausstattung der Mustersiedlung Dammerstock in Karlsruhe (Architekt: Walter Gropius u. a.) verantwortlich.

Nicht der Bauhausschule im eigentlichen Sinne zuzurechnen, aber ebenfalls dem funktionalen Design verpflichtet sind die Architekten Le Corbusier (eigtl. Charles Edouard Jeanneret-Gris) aus der Schweiz und der aus Aachen stammende Ludwig Mies van der Rohe. Le Corbusier, dessen Bauten und Einrichtungsgegenstände sich v. a. durch harmonische Proportionen auszeichnen, hat sich wie Marcel Breuer auf Metall- und Stahlrohrmöbel spezialisiert. 1928/29 entwirft er u. a. eine verstellbare Liege. Dieselbe unterkühlte, aber zugleich repräsentative Eleganz wie bei der Außengestaltung des deutschen Pavillons bei der Weltausstellung in Barcelona zeigt van der Rohe bei der Inneneinrichtung dieses Gebäudes; ein dort platzierter Stuhl geht als »Mies-van-der-Rohe-Chair« in die Design-Geschichte ein.