Werbung ein Teil der Kultur der Großstadt

Werbung 1929:

Herausragendes Werbeereignis ist der Internationale Reklamekongress (11. – 15. 8.) in Berlin. Das Interesse, das diesem Welt-Werbe-Treffen entgegengebracht wird, zeigt, dass Reklame als Teil der modernen Kultur akzeptiert wird.

Auch viele Intellektuelle haben ihre Vorurteile aufgegeben. So erklärt der Kritiker Wolf Zucker am 9. August in der »Literarischen Welt«: »Ein gut geschriebener Werbeprospekt ist wertvoller als ein durchschnittliches Feuilleton.« Im »Berliner Tageblatt« schreibt tags darauf Alfred Döblin: »Darum sage ich: es wird keiner die Großstadt und ihr Leben schildern, der nicht die Reklame aufnimmt in seine Schilderung.«

Einer der einfachsten und besten Slogans kommt in diesem Jahr aus Irland: Am 2. Februar wirbt die Guinness-Brauerei erstmals mit dem lapidaren Hinweis »Guinness Is Good For You«.

Wie das Gesicht der Werbung selbst, so ist auch die Strategie der Werbefachleute bei der Planung ihrer Kampagnen im Wandel begriffen. Strittig ist vor allem die Frage, ob gerade in Zeiten der Rezession verstärkt geworben werden soll, um den Trend umzukehren, oder ob man lieber auf den Aufschwung warten soll, um die beginnende Konjunktur zu stützen.

Die Fachzeitschrift »Reklame« veröffentlicht im Mai eine Umfrage, wonach 38% der befragten Firmen ihren Reklameetat für 1929 um bis zu 50 % erhöht haben; 15 % der Firmen geben weniger für die Werbung aus und 47% lassen das Werbebudget unverändert.

Ein aufblühender Zweig der Werbung in den USA ist die Branchengemeinschaftswerbung: Die Kampagne »Say it with Flowers« brachte der Blumenindustrie in sieben Jahren 400% mehr Umsatz.

Aus einer in den USA entstandenen Untersuchung geht hervor, dass im Verhältnis zum Umsatz das meiste Werbegeld von Versand- und Warenhäusern sowie Fruchtsaftherstellern (jeweils 10%) ausgegeben wird, es folgen Produzenten von Kühlschränken (7,5%), Zündkerzen (7%) und Zigaretten (5,2%).