Bauhaus versus Art Déco

Wohnen und Design 1930:

Zwei Welten des Designs treffen aufeinander, als auf der Ausstellung im Grand Palais zu Paris im Mai 1930 erstmals deutsche Architektur im Rahmen einer Werkbundschau vertreten ist. Die kühl-sachlichen, funktionalistisch-präzisen Inneneinrichtungen aus der deutschen Schule beeindrucken das französische Publikum, das an den ornamentalen Stil des Art Déco gewöhnt ist.

»Die Gestalt jedes Gegenstands aus seinen natürlichen Funktionen und Bedingtheiten heraus finden« – darin sieht Walter Gropius, der Leiter der Werkbundausstellung in Paris und ehemaliger Chef des Bauhauses, die Aufgabe des modernen Designs. Ein Musterbeispiel dieser funktionalistischen, auf alles überflüssige Dekor verzichtenden Möbel ist der Stahlrohrsessel in seinen verschiedenen Ausführungen. Als freischwingenden Clubsessel mit Leder oder Korb bezogen, stellt ihn Marcel Breuer in Paris vor. Wassili und Hans Luckhardt statten ihn mit einer Sitzfläche aus gebogenem Holz aus, frei auf Kufen federnd. Als traditionellen Stuhl mit vier Stahlrohrbeinen, bei dem sich Lehne und Sitzfläche aus dehnbaren Spanngliedern zusammensetzen, entwirft ihn René Herbst.

Trotz sparsamster Möblierung soll die moderne Inneneinrichtung durch die verwandten Materialien Glanz ausstrahlen, wie z. B. die fast U-förmig geschwungene Cafébar von Walter Gropius mit viel Chrom und Glas, die in Paris ausgestellt wird. Durchgängig bemüht sich diese Richtung darum, durch Verwendung genormter Teile und preiswerter Materialien für jedermann erschwingliche Gebrauchsmöbel zu produzieren. Dennoch werden die vergleichsweise billigen Stahlrohrmöbel aus deutscher Produktion um 1930 lediglich von einem kleinen, ästhetisch aufgeschlossenen Kreis von Käufern akzeptiert, der in der Regel weit mehr Geld für eine repräsentative Innenausstattung ausgeben könnte.

Ganz im Gegensatz zu dieser fast asketischen Ideologie steht die in Frankreich vorherrschende Richtung des Art Déco. In Weiterführung des Jugendstils mit seinen ornamentalen Formen zeichnen sich hier wieder spielerische Gestaltungselemente ab. Um den repräsentativen, luxuriösen Charakter der Inneneinrichtung zu unterstreichen, verwenden Designer wie Emile Jacques Ruhlmann edelste Materialien: Ebenholz und Amboina (Holz des Flügelfruchtbaums), Pergament und Galuchat (Haut des Katzenhais), Elfenbein, Schildpatt und Horn. Ähnlich wie Ruhlmanns Kreationen sind auch die exzentrischen Möbel von Eugène Printz oder der Irin Eileen Grey nur für eine kleine Schicht von Vermögenden erschwinglich, die sich mit diesen Statussymbolen allerdings gern schmückt.