Erholung und Vergnügen beim preiswerten Urlaub daheim

Urlaub und Freizeit 1930:

»Das Jahr 1930 muss das deutsche Reisejahr werden«, so lautet das Motto der deutschen Fremdenverkehrsvereine. Sie unternehmen in diesem Jahr verstärkte Anstrengungen, um den Reiseverkehr der deutschen Bevölkerung ins Inland zu lenken. Mit Vorschlägen für Kurzreisen und Aktionen wie z. B. einem Preisausschreiben des »Reichsverbandes des deutschen Hotels« unter dem Titel: »Deutschland will entdeckt werden« reagieren sie auf die Notlage vieler Bade- und Kurorte des Reiches.

Trotz aller Aktivitäten bleibt auch 1930 eine schlechte Saison für das Hotelgewerbe, das Einnahmeverluste von 30% hinnehmen muss. Bei Arbeitslosenzahlen von durchschnittlich 3 Mio. ist die Zahl derer, die sich eine Hotelunterkunft leisten können, gesunken. Die Gesellschaftskreise, die einen teuren Urlaub bezahlen können, reisen dagegen ins Ausland.

So erleben gerade die Naherholungsgebiete zu den Feiertagen einen Besucheransturm wie seit Jahren nicht mehr. Allein am Berliner Wannsee tummeln sich an den Pfingsttagen 100 000 Menschen, die sich bei schönstem Sommerwetter ins Strandbad wagen.

Für Wochenendausflüge oder als preiswerte Urlaubsreisen werden einfache Quartiere an Nord- und Ostsee, aber auch Reisen in die Niederlande, nach Belgien oder in die Schweiz gebucht.

Besonderen Zulauf von Touristen erlebt das Rheinland in diesem Sommer. Nachdem am 30. Juni die letzten französischen Besatzungstruppen aus dem Rheinland zurückgezogen worden sind, strömen Reisegesellschaften aus dem ganzen Reichsgebiet in die malerischen Ortschaften am Rhein. Da Reiseveranstalter und Fremdenverkehrsvereine mit preiswerten Schiffstouren und Aktionswochen anlässlich der »Befreiung« für zusätzlichen Werberummel sorgen, verzeichnen Gaststätten- und Beherbergungsbetriebe am Ende der Saison sogar einen deutlichen Anstieg ihrer Einnahmen. Günstige Beförderungsangebote durch die Reichsbahn tragen weiterhin dazu bei, dass der Fremdenverkehr im Rheinland – im Gegensatz zu den anderen Regionen – auf das ganze Jahr gesehen zunimmt.