„Rheinlandbefreiung“ rückt angesichts der Weltwirtschaftskrise in den Hintergrund

„Rheinlandbefreiung“ rückt angesichts der Weltwirtschaftskrise in den Hintergrund
Reichspräsident Hindenburg mit Oberbürgermeister Karl Russell (links) und dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun (rechts) bei der Befreiungsfeier 1930 am Deutschen Eck in Koblenz. Bundesarchiv, Bild 102-10168 / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1930:

Der Abzug der letzten alliierten Besatzungstruppen aus dem Rheinland am 30. Juni 1930 markiert für das Deutsche Reich den Abschluss einer vom verlorenen Weltkrieg geprägten Epoche. Die Feiern im gesamten Reich anlässlich dieser »Rheinlandbefreiung« sind Ausdruck der Hoffnung vieler auf Normalität, nachdem im vergangenen Jahrzehnt die noch junge Weimarer Republik immer wieder durch wirtschaftliche und politische Krisen erschüttert worden ist. Mit der Unterzeichnung der Haager Schlussakte im Januar, Voraussetzung für die Rückgabe des Rheinlandes, verpflichtet sich das Deutsche Reich allerdings zu hohen Reparationszahlungen an die Sieger des Weltkrieges: Eine positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft wird dadurch auf Jahrzehnte hinaus infrage gestellt.

Gleichzeitig wirkt sich die im Oktober 1929 durch den New Yorker Börsenkrach ausgelöste weltweite Wirtschaftskrise immer stärker auf das Deutsche Reich aus: Zahlreiche Banken- und Unternehmenszusammenbrüche sowie nachfolgende Massenentlassungen berauben viele Deutsche ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage. Die enormen Kosten für die Unterstützung von über drei Millionen Arbeitslosen bringen das Reich, die Länder und die Gemeinden an den Rand des Ruins.