Zusammenarbeit mit der Industrie beflügelt die Forschung

Wissenschaft und Technik 1930:

Durch das gemeinsame Wirken von Naturwissenschaften, Technik und Industrie sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche grundlegende Neuentwicklungen möglich geworden. Dieser Trend hält auch 1930 an. Ob in der Elektrotechnik, in der Chemie, in der Verkehrstechnik oder in der Grundlagenforschung: Wissenschaftler und Techniker arbeiten fieberhaft an der Gewinnung neuer Erkenntnisse und an der Verwirklichung bestehender Theorien. Als Chemiewerkstoff bringt das Werk Ludwigshafen der IG Farbenindustrie (heute BASF) Polystyrol in technischem Maßstab auf den Markt. Bisher ließ sich dieser vielseitig verwendbare Kunststoff, der u. a. im Verpackungswesen eingesetzt wird, nur in kleine Mengen im Labor fertigen. Die Bayer-Werke in Leverkusen stellen den ersten öl- und kraftstoffbeständigen Synthesekautschuk her, der später als »Perbunan« bekannt wird. Sie können nun eine preisgünstige Alternative zum teuren Naturkautschuk anbieten, der als Rohstoff von der gesamten chemischen Industrie, aber auch anderen Brachen benötigt wird. Erstmals in kommerziellen Mengen hergestellt wird in den USA Fiberglas. Das Fertigungsprinzip knüpft an ein bereits 1893 von dem US-amerikanischen Industriellen Edward Drummond Libbey entwickeltes Verfahren an. Fertigprodukte dieser Glasseide sind reiß-, verwitterungs- und feuerfeste Glasgarne und Glastextilien.

Einige wichtige Grundlagenerfindungen bringt die Elektrotechnik. Für vorwiegend militärischen, aber auch astronomischen Einsatz konstruieren deutsche Wissenschaftler mit Restlichtverstärkern und Infrarotgeräten die ersten Nachtsichtgeräte. Sie ermöglichen bei völliger Dunkelheit die Ortung von Menschen und Maschinen anhand ihrer Wärmeabstrahlung.

Auch in der Filmtechnik gibt es einen weiteren entscheidenden technischen Fortschritt: Die US-amerikanische Technicolor-Gesellschaft präsentiert ein Verfahren zur Herstellung vollfarbiger Filme. Bisher gab es nur zweifarbige Farbfilme. Bei dem neuen Verfahren werden die Bilder in den drei Grundfarben rot, blau und gelb – aus denen sich alle Farben mischen lassen – auf transparentes Trägermaterial gedruckt, also noch nicht fotochemisch aufgebracht. Die Filmhersteller stehen der neuen Technik zurückhaltend gegenüber, lediglich der US-amerikanische Filmproduzent und Zeichner Walt Disney verwendet es von Beginn an für seine Zeichentrickfilme.