Bahnen befördern weniger Personen

Verkehr 1931:

Mit Ausnahme der Luftfahrt und des privaten Kraftfahrzeugverkehrs ist das Verkehrsvolumen im Deutschen Reich 1931 angesichts der Wirtschaftskrise rückläufig. Am 1. Juli werden im Deutschen Reich 522 943 Personenkraftwagen gezählt, 21 689 Fahrzeuge mehr als 1930. Die Zahl der Lastkraftwagen beträgt 161 072 (1930: 157 432 ). Die autoreichste Stadt ist Berlin mit 54 834 Pkw, hier kommen 37 Einwohner auf ein Kraftfahrzeug. Die steigende Motorisierung führt hier wie in den anderen deutschen Großstädten zu Überlegungen, wie dem Verkehrslärm beizukommen sei und wie geeignete Parkräume geschaffen werden könnten. Der öffentliche Personennahverkehr meldet vielerorts Einschränkungen wegen des nachlassenden Verkehrsaufkommens.

Die deutschen Eisenbahnen verzeichnen zurückgehende Betriebseinnahmen, einen Abbau des Personals, die Außerdienststellung nicht mehr gebrauchter Lokomotiven und Fahrzeuge und rückläufige Betriebsleistungen. 1931 befördern die deutschen Eisenbahnen 1,636 Milliarden Fahrgäste (1930: 1,899 Milliarden) und 357,1 Millionen t Güter (438,2 Millionen).

Zwischen 1924 und 1930 hat die Reichsbahn rund 1,65 Milliarden Reichsmark in den Ausbau ihrer Beförderungskapazität investiert. Die großen Städte des Reiches sind durch Fernschnellzüge (FD-Züge) miteinander verbunden. Sie fahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h und machen dank neuausgestatteter Personenwagen, darunter auch Salonwagen, komfortables Reisen möglich.

Zu den internationalen Luxuszügen, die wie der »Rheingold« das Deutsche Reich durchfahren, tritt ab Januar 1931 in den Wintermonaten der Riviera-Neapel-Express. Er schafft eine schnelle Zugverbindung zwischen Berlin bzw. Amsterdam und dem Mittelmeer. Der Schnellzug fährt von Berlin in 29 Stunden über Mailand nach Cannes und in 31 Stunden nach Neapel.

Besonders betroffen von der Krise ist der Seeverkehr: Die Zahl der deutschen Seeschiffe geht 1931 gegenüber dem Vorjahr um 26 auf 3913 zurück, die deutschen Seehäfen verzeichnen insgesamt 147 703 ein- und ausgehende Schiffe, 11 408 weniger als 1930.