Sparhaushalte erzwingen Stellenabbau und Stundenkürzung

Bildung 1931:

Stellenabbau, Lehrplankürzung, Schulschließung und Akademikerschwemme lauten einige der Schlagworte, die im Deutschen Reich die Lage im Bildungsbereich umreißen. Die rigiden Sparmaßnahmen in den öffentlichen Haushalten treffen Lehre und Erziehung in besonders starkem Maße, durch Schließung von Schulen, der Erhöhung des Stundensolls für Lehrer und durch Einschränkungen im Lehrplan soll der Personalabbau ausgeglichen werden. Die Bildungschancen für Akademiker werden zusehends schlechter.

In Berlin werden durch die Schuldeputation am 6. November 23 innerstädtische Volksschulen aufgelöst. Ursache sind Finanznöte und der Rückgang der Schülerzahlen, die auf die Hälfte des Stands von 1913 gesunken sind. Gegen solche Maßnahmen, die auch in anderen Regionen ergriffen werden, wehren sich die Eltern oft mit Schulstreiks.

Durch die preußische Sparnotverordnung vom 12. September, die Vorbild für ähnliche Maßnahmen in anderen Ländern des Reiches wird, sollen an den Volksschulen die Klassenfrequenzen auf bis zu 48 Schüler (im Reichsdurchschnitt bei 38,8) erhöht werden; an höheren Schulen wird die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer (Stundensoll) erhöht, an den Berufsschulen der Unterricht um zwei auf sechs Wochenstunden reduziert und die Klassenstärke auf 45 Schüler heraufgesetzt.

Zur Schulwirklichkeit des Jahres 1931 zählt weiterhin die Anwendung der Prügelstrafe, zumal auch in Preußen die 1928 erlassenen Anordnungen des Kultusministers noch nicht überall befolgt werden. Seinerzeit war grundsätzlich festgelegt worden, dass Mädchen überhaupt nicht mehr geschlagen werden dürfen und Jungen erst ab dem 3. Schuljahr und dass Unaufmerksamkeit und mangelhafte Leistungen ebenfalls nicht mehr mit Prügeln bestraft werden dürfen.

Im Bereich des Fremdsprachenunterrichts vollzieht sich 1931 ein Wandel: Im Juli beschließt der Sachverständigen-Ausschuss der Länder, dem Vorschlag des preußischen Kultusministeriums zu folgen und als Anfangssprache für alle mit einer modernen Fremdsprache in der Sexta beginnenden höheren Schulen das Französische einzuführen. Für die mit Latein als grundständiger Fremdsprache beginnenden Schulen soll das Französische als erste moderne Fremdsprache eingeführt werden. Das bisher dominierende Englisch wird dann ab einem späteren Zeitpunkt gelehrt.

Die Lehrerausbildung in Preußen wird im April durch die Einführung von Bezirksseminaren ergänzt, in denen die Studienreferendare des zweiten Ausbildungsjahres in Kleingruppen zusammengefasst werden, um die Ausbildung zu vertiefen und zu systematisieren. Der Drang zu den Hochschulen wird 1931 gestoppt: Gibt es im Sommersemester an den wissenschaftlichen Hochschulen im Deutschen Reich noch 134 767 Studierende, so sind es im Wintersemester 1931/32 nur noch 126 632 Hochschüler.

Seit 1926 war die Studentenzahl stetig angestiegen. Ursachen für den Studentenknick sind u. a. die zum Wintersemester erhöhten Studiengebühren, die Knappheit der zur Verfügung stehenden Stipendien, die geringeren Beschäftigungsmöglichkeiten für die rund 15% »Werkstudenten«, die sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen müssen, und die schlechten Berufsaussichten. Für 1934 rechnen Bildungsexperten mit über 130 000 stellungslosen Akademikern. Dieser Umstand begünstigt den Zulauf zu rechtsextremen Gruppierungen, auch an den Schulen wird eine immer stärkere Agitation der Nationalsozialisten verzeichnet.