Weltwirtschaftskrise und globale politische Instabilität

Weltwirtschaftskrise und globale politische Instabilität
Herbert Hoover, US-amerikanischer Präsident 1928–1932. Gemeinfrei via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1931:

Das Jahr 1931 steht ganz im Zeichen der sich weiter verschärfenden Weltwirtschaftskrise. Die ohnehin hohe Arbeitslosigkeit steigt rapide, der Welthandel kommt fast zum Erliegen, und die internationale Finanzwelt gerät an den Rand des Zusammenbruchs. Der nur durch massives Eingreifen der österreichischen Regierung abgewendete Zusammenbruch der Creditanstalt in Wien, die Zahlungsunfähigkeit der Darmstädter und Nationalbank im Deutschen Reich, die Abkehr des schuldengeplagten Großbritannien von der Golddeckung des Pfundes und die erheblichen Goldaufkäufe Frankreichs, des einzig scheinbar noch stabilen Landes, in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten machen die Ungleichgewichte deutlich, die als Folge des Ersten Weltkriegs entstanden sind.

Einziger Lichtblick ist das von US-Präsident Herbert Hoover angeregte einjährige Moratorium für die Rückzahlung der Reparationen und Kriegsschulden, das dem von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders betroffenen Deutschen Reich die so dringend benötigte Atempause verspricht. Die mit großen Hoffnungen verbundene Initiative Deutschlands, mit Österreich eine Zollunion einzugehen, scheitert an den Siegermächten des Weltkriegs, die dahinter den Versuch einer politischen Einigung vermuten.

Zwar haben die vielfältigen internationalen Bemühungen um eine Rüstungsbegrenzung die Einberufung einer allgemeinen Abrüstungskonferenz für 1932 zum Ergebnis. Doch im Fernen Osten führen die seit langem schwelenden Spannungen zwischen Japan, das zur Hegemonialmacht in Asien aufsteigen will, und dem von inneren Auseinandersetzungen erschütterten China im September zum offenen Krieg in der Mandschurei. Die zukünftige Entwicklung Britisch-Indiens ist das Thema zweier ergebnisloser Konferenzen zwischen der britischen Regierung und Repräsentanten der indischen Volksgruppen in London. In Spanien zwingt das Volk König Alfons XIII. zum Rücktritt: Das Land wird nach 56 Jahren Monarchie zum zweiten Mal in seiner Geschichte zur Republik erklärt. In der Sowjetunion führen die von Parteichef Josef W. Stalin durchgesetzte überstürzte Industrialisierung, die Kollektivierung der bäuerlichen Betriebe und die Vertreibung der Großbauern zu tiefgreifenden sozialen Spannungen.